(Passive Verteidigungsform mit dem Körper)
Fallübungen bilden die Grundlage für ein ohne Verletzung ablaufendes Training. In einer realen Auseinandersetzung kann von deren Beherrschung unter Umständen das Leben abhängen, sei es, dass man zu Boden gestoßen oder geworfen wird, oder aber, dass man seine Fall- oder Rolltechniken zu Angriff oder Verteidigung nutzt. Denn mit einer Fallübung bzw. einer Rolle kann man einem Angriff sowohl entgehen als auch diesem zuvorkommen, indem man den Gegner angreift. Durch das Bewusstsein der Sicherheit fördert die Beherrschung von Fallübungen entscheidend die Bildung des Selbstvertrauens des Ausübenden. Die im Ninjutsu Anwendung findenden Ukemi- und Kaiten-Techniken befähigen den Ausübenden, diese überall anzuwenden, nicht nur im mit Matten ausgelegten Dojo.
Wichtig bei der Ausübung von Fall- und Rolltechniken ist, dass man bei der Ausführung völlig entspannt ist. Die Lungen sollten mit Luft gefüllt sein. Gerade bei Rolltechniken kommt es darauf an, den Körper so rund wie möglich zu halten. Hierbei sollten die äußeren Muskelgruppen angespannt und die inneren Muskelpartien entspannt bleiben. Oft helfen Vorgaben wie "leise" und "bequem" zu rollen die Technik zu verbessern. Nie darf der Kopf bei der Anwendung von Ukemi- oder Kaiten-Techniken in irgendeiner Form den Boden berühren. Weiterhin sollte man nicht unnötig weit nach vorne oder nach oben springen, sondern die Technik schon durch ein leichtes Beugen der Knie sowie durch ein Absenken des Körpergewichtes einleiten. Beim Fallen und Rollen ist darauf zu achten, dass man beides in acht verschiedene Richtungen ausführen kann, während der Ausführung einer Rolle stets Augenkontakt zum Gegner bewahrt und die Technik in Kamae abschließt. Durch die Einnahme einer Kamae werden das Ki (die körpereigene Energie) und die geistige Wachsamkeit bzw. «Anspannung» (Zan Shin) wieder vereint. Zan Shin kann man auf zweierlei Arten schreiben. Schreibt man Shin als Mi, so ergibt sich vom Sinn her «der zurückbleibende Körper». Fasst man Shin jedoch als Kokoro (Herz) auf, so gelangt man zu der Bedeutung «Körper und Geist». Zan Shin bzw. «geistige Anspannung» bringt somit zum Ausdruck, dass die Gedanken von einem Punkt höchster Konzentration zurückkehren. Da dies Zeit benötigt, sollte der Blick bei der Ausführung von Zan Shin nach der Anwendung einer Technik stets einige Zeit auf dem Ziel verharren.
Man presst das Kinn gegen die Brust, senkt sein Körpergewicht ab, beugt den Körper nach vorne und rollt über eine oder beide Schultern. Sofern die Hände frei sind, kann man sich damit hochdrücken, damit man schneller wieder im Stand ist. Mit Zen Po Kai Ten kann man sich beispielsweise gegen einen Angriff von hinten (entweder durch Ausweichen oder aber durch Abfangen des Stoßes) oder aber gegen einen Wurf (z.B. Ganseki Nage) verteidigen.
Aus dem Stand macht man einen Schritt zur Seite und nimmt die sich auf der entsprechenden Seite befindliche Hand innen auf der Höhe des Fußes an das betreffende Bein (mit der Handkante zum Boden zeigend). Nun beugt man sich zur Seite, senkt das Körpergewicht und rollt über die Schulter zur Seite. Sofern die Hände frei sind, kann man sich damit hochdrücken. Zum einen, damit das Knie nach der Rolle nicht auf den Boden kommt und zum anderen, damit man schneller wieder im Stand ist. Mit So Ku Ho Kai Ten weicht man einem Angriff von der Seite aus, indem man die Distanz zum Gegner durch die Ausführung der Rolltechnik vergrößert.
Aus dem Stand macht man einen Schritt zurück, setzt sich mit dem Gesäß nach hinten auf den Boden, wobei das andere Bein gerade nach vorne ausgestreckt wird, und rollt über die Schulter, wo das Bein gestreckt ist (Gyaku Kaiten = Seitenverkehrtes Rollen: gestrecktes Bein geht über gegenüber liegende Schulter). Der Kopf wird hierbei zur Seite des ausgestreckten Beines gedreht. Auf keinen Fall darf man aufgrund der hohen Verletzungsgefahr über den Kopf rollen. Die Hände sind während der Ausführung eng am Körper zu halten. Sofern die Hände frei sind, kann man sich damit hochdrücken. Zum einen, damit das Knie nach der Rolle nicht auf den Boden kommt und zum anderen, damit man schneller wieder im Stand ist. Mit Ko Ho Kai Ten kann man sich beispielsweise gegen einen Angriff (wie in Form eines Stoßes) von vorne oder aber gegen einen Wurf (wie O Soto Nage) verteidigen.
Diese Fallübung wird von einem Anfänger im Knien, von einem Fortgeschrittenen im Stand ausgeführt. Man fällt nach vorne bzw. springt mit den Füßen nach hinten weg, damit dort, wo vorher die Füße standen nach dem Sturz die eigene Hüfte ist und schlägt gleichzeitig mit den ein Dreieck formenden Handflächen auf dem Boden ab, wobei das Gewicht auf die beiden Unterarme verteilt und das Gesicht über den Händen ist. Dabei wird der Kopf bzw. das Gesicht vom Boden entfernt gehalten und die Nase zur Seite gedreht. Die Beine sind gestreckt und leicht gespreizt. Außer Unterarme/Hände und Fußballen berührt nichts den Boden. Es ist wichtig, den Sturz nicht nur mit Muskelkraft (Ganzkörperspannung) sondern auch mit Ki (der körpereigenen Energie) abzufangen. Mit Zen Po Ukemi verteidigt man sich in erster Linie gegen einen Stoß von hinten. Man kann Zenpo Ukemi jedoch auch bei der Ausführung einer Wurftechnik wie Ganseki-Nage anwenden (ein Bein wird nach hinten/oben ausgestreckt).
Man fällt nach hinten bzw. springt mit den Füßen nach vorne, damit dort, wo vorher die Füße waren sich nach dem Sturz der eigene Po befindet und schlägt gleichzeitig mit beiden seitlich in einem Winkel von etwa 45° vom Körper abgestreckten Armen und mit den Handflächen auf dem Boden ab. Das rechte Bein ist angewinkelt und setzt mit der rechten Fußsohle auf dem Boden auf. Das linke Bein ist seitlich nach innen angewinkelt, wobei der linke Fuß seitlich mit der Außenseite zuerst flach auf dem Boden liegt. Auf keinen Fall darf die Ferse des linken Beines auf den Boden aufgestellt sein. Das Kinn ist bei der Ausführung der Technik auf die eigene Brust zu pressen, damit der Hinterkopf nicht auf dem Boden aufschlägt. Wird die Technik linksseitig ausgeführt, so ist entsprechend in umgekehrter Art und Weise zu verfahren. Ko Ho Ukemi wird angewandt, wenn man fällt bzw. gestoßen oder geworfen wird und keinerlei Möglichkeit mehr zur Ausführung einer Rolltechnik hat.
Man fällt zur Seite bzw. springt mit den Füßen zur Seite und dort, wo vorher die Füße standen liegt nach dem Sturz die Hüfte und schlägt seitlich mit einem in einem Winkel von etwa 40° vom Körper abgestreckten Arm und mit der Handfläche auf dem Boden ab. Man fällt dabei nicht auf den Rücken, sondern auf die Körperseite (von der Hüfte über die Rippenpartie zur Schulter). Der Kopf wird vom Boden entfernt gehalten. Die Beine werden zusammen etwa 45° vom Boden gerade in die Luft gestreckt. Mit So Ku Ho Ukemi verteidigt man sich zum Beispiel gegen einen Wurf (wie O Soto Nage), bei dem der Gegner einen während der Ausführung der Technik nicht loslässt. Hierbei kann man den Sturz noch weiter abfangen, indem man das untere Bein seitlich aufgelegt gerade ausstreckt und das obere Bein über das darunter liegende führt und mit der Fußsohle auf dem Boden aufsetzt.
Diese Rollübungen sind besonders weich und geräuscharm auszuüben und unterscheiden sich von den Ukemi dadurch, dass man sich in keiner Weise abschlägt.
Natürliche Anwendungen: 6.1 Aus Ichimonji No Kamae (Jun Nagare).
6.2 Aus Ichimonji No Kamae (Gyaku Nagare).
Alle Sprünge sollten weich und gleitend ausgeführt werden. Man sollte weder «hopsen» noch ein Geräusch beim Aufkommen verursachen.
Hierbei handelt es sich keinesfalls um eine sportliche oder akrobatische Übung. Mit O Ten kann man einem Angriff von der Seite entkommen oder aber aus einem Hebel (z.B. Ura Gyaku Dori) springen. Das Gefühl bei der Ausführung der Technik sollte dem des «Zurückziehens» entsprechen. Die Technik O Ten stammt aus dem Gikkan Ryu Koppo Jutsu Ukemi Gata.
Mittels Wahrung des Gleichgewichts und unter Ausnutzung des Bewegungsmoments des Körpers ist es möglich, vertikale Flächen wie Bäume, Mauern und Einzäunungen usw. bedingt hinaufzulaufen.
Die gesamte Körperbewegung sollte stets natürlich vonstatten gehen und anmutig anzusehen sein. Kraft und Stärke einer Technik resultieren aus der Bewegung an sich. Ausweichbewegungen beruhen auf reiner Positionierung des Körpers.
Ken Tai Ichi Jo: Dieses wichtige Grundprinzip im Ninjutsu besagt, dass die gesamte Körperbewegung und die hieraus resultierende Energie hinter einem Schlag oder einer Technik ruhen. Allein die Körperbewegung reicht aus, eine verheerende Wirkung eines Schlages oder eines Trittes zu verursachen. Es gibt daher keinen Grund für den Einsatz von physischer Kraft.
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