Taikai València 1995

Ein Bericht von Shidoshi Eike Kujaw (11. Dan)


Taikai bedeutet übersetzt «großes Treffen». Und so kamen dann in der Tat vom 29. April bis zum 1. Mai 1995 über 500 Menschen aus verschiedenen Ländern zum Taikai nach València. Die meisten Teilnehmer waren natürlich aus den verschiedenen Regionen von Spanien - wie etwa dem Principat de Catalunya - angereist. Daneben waren auch Belgien, Deutschland, England, Finnland, Frankreich, Italien, Kroatien, Maryland, Niederlande, Portugal, Schweden, Schweiz sowie andere Nationen vertreten. Aus Deutschland war neben dem Bujinkan Dojo Frankfurt am Main (Landesgruppe Hessen des Deutschen Dan-Kollegiums e.V.) nur ein weiterer Shidoshi anwesend.

Zu einem Taikai kommt immer Dr. Masaaki Hatsumi, das Familienoberhaupt (Soke) der neun überlieferten und im Bujinkan gelehrten Schulen (Ryu Ha). Im Verlauf des dreitägigen Trainings demonstrierte er neben Taijutsu und Kenjutsu hauptsächlich Techniken mit der Naginata. Und dies nicht ohne Grund, denn das Jahr 1995 ist das Jahr der Naginata. Die vorausgegangenen Jahre waren jeweils das Jahr der Jutte, des Schwertes (Ken), des Bostabes und des Speeres (Yari). Die Reihenfolge dieser jährlichen Lehrschwerpunkte ist am Lernfortschritt orientiert. Man beginnt mit kleinen, leichter zu benutzenden Waffen zu üben und steigert sich bis zum Umgang mit großen und komplexen Waffen. Voraussichtlich werden in den nächsten drei Jahren die verschiedenen Schwerttypen nach ihrer historischen Entwicklung jeweils Thema des Jahres sein.

Eine Naginata ist eine Kombination aus einem etwa 1,80 m langen Stock und einem japanischen Kurzschwert. Auf den ersten Blick ähnelt eine Naginata einem Speer. Da aber die Spitze einer Naginata aus einer gebogenen Klinge besteht ist die Handhabung anders als bei einem Speer. Schnitte werden in beide Richtungen der Schnittkante bogenförmig ausgeführt, wobei Handwechsel deutlich seltener sind als beim Speer oder Bo.

Am ersten Tag des Taikai wurden Stellungen (Kamae) und Grundschnitttechniken gelehrt. Im Verlauf der drei Tage steigerte sich dann die Komplexität der Bewegungsabläufe bis schließlich, am dritten Tag, die Handhabung von Schwert und Naginata gleichzeitig geübt wurde.

Unterstützt wurde Soke Hatsumi, wie bei jedem Taikai, von einer Reihe von Shihanen, die die gezeigte Technik jeweils auf ihre Art und Weise erklärten. Hier wurde die Vielfalt der möglichen Ausführungsformen wirklich deutlich, da jeder Shihan auf seine eigene Weise die Technik ausführte und erläuterte (Henka).

Im Laufe eines jeden Taikai findet auch der Sakki-Test statt, der diesmal allerdings erst am zweiten Tag von Soke Hatsumi vorgenommen wurde. Durchgeführt wurde der Test im örtlichen Dojo, in dem sich die 14 Prüflinge (alle Inhaber des 4. Dan) sowie alle anwesenden Shidoshi zusammenfanden. Zum Sakki-Test werden prinzipiell nur Shidoshi als Zuschauer zugelassen. Alle 14 Prüflinge bestanden den Test und konnten dann am Abend mit den anderen Shidoshi zusammen bei dem Shidoshikai-Abendessen ihren neu erworbenen 5. Dan feiern.

Zum Schluss des Taikai fand am letzten Tag ein Galaabend statt. Nach einem mehrgängigen Essen wurde der Abend durch Gesangseinlagen und die Vorführung von Zauberkunststücken aufgelockert.

Auf diese Weise klang der Taikai mit spanischer Ausgelassenheit zur Zufriedenheit aller aus.


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