Lars Pätzold

und

Roger Westerweller (3. Dan)

Überprüfung eines Trainingsprogramms zur Verbesserung der Reaktionsschnelligkeit der oberen Extremitäten in der Selbstverteidigung


1. Problemstellung

 

Die Vorteile einer guten Reaktionsschnelligkeit im Wettkampfsport und im Besonderen der Selbstverteidigung sind leicht zu erkennen und nachvollziehbar. Je schneller man auf eine Aktion, bzw. einen Angriff des Gegners reagieren kann, desto besser sind die Chancen, diesen abzuwehren oder ihm auszuweichen. Dies ist im Besonderen in der Selbstverteidigung von großer Bedeutung, da es sich nicht um einen Kampf mit Regeln und Schutzausrüstung handelt (wie es im Wettkampfsport der Fall ist) und somit das Verletzungsrisiko erheblich größer ist. In einer ernsthaften Auseinandersetzung kann es zu lebenslangen Schäden (physisch wie psychisch) kommen oder sogar um das eigene Leben gehen.

 

Anhand dieser möglichen drastischen Auswirkungen erscheint es sinnvoll, auf eine solche Situation gut vorbereitet zu sein. Dazu gehört eine gute Reaktionsschnelligkeit genauso wie ein breites Technikrepertoire oder eine umfangreiche Situationsschulung.

 

Da ein Großteil der Angriffe der oberen Extremitäten aufgrund der großen Wirkung zum Kopf gehen, muss ein Treffer dort auf jeden Fall vermieden werden. Dadurch ist die Wichtigkeit einer guten Reaktionsschnelligkeit der oberen Extremitäten und des Trainings dergleichen sehr gut nachvollziehbar.

Ziel des Trainings ist es, eine möglichst konstante Reaktionsschnelligkeit zu erreichen, bzw. Ausreißerwerte zu minimieren. Da es sich bei einem Angriff der oberen Extremitäten um einen optischen Reiz handelt, ist auch das Training auf optische Reize ausgelegt.

 

1.1 Begriffsbestimmung

Reaktionsschnelligkeit ist die Fähigkeit, auf einen Reiz in kürzester Zeit zu reagieren. Man unterscheidet in einfache Reaktionen ( z.B.: Tiefstart) und Auswahl-Reaktionen (z.B. beim Boxen, Torwart). Der messbare Ausdruck der Reaktionsschnelligkeit  ist die Reaktionszeit.

 

Die Reaktionsschnelligkeit läuft in 5 Phasen ab (nach Zaciorskij, aus : Röthig 1992, S. 376):

 

1. Wahrnehmungsphase:                Erregung der Sinnesorgane

 

2. afferente Leitungsphase:             Leitung zu zentralen Schaltstellen

 

3. Informationsverarbeitungsphase: zentrale Schaltvorgänge

 

4. efferente Leitungsphase:             Impulsverlauf zum Muskel

 

5. Latenzzeitphase:                         mechanische Aktivität im Muskel

Reaktionszeit ist die Zeitspanne vom Setzen eines Signalreizes bis zur adäquaten Muskelkontraktion. Sie ist der neurophysiologische Prozess der Reaktionsschnelligkeit.

 

1.2 Darstellung problemrelevanter Untersuchungen

 

Autor:    Dauner, Tobias, Diplomarbeit, 1996, Frankfurt am Main

Titel:     Geschwindigkeitsanalyse der unteren Extremitäten - Schnelligkeitsmessung von Taekwondo-spezifischen Wettkampftechniken.

 

Untersucht wurden 3 Techniken die im Wettkampf am häufigsten Punkte einbringen. Alle 3 Techniken sind Tritte und sind im Bewegungsansatz und motorischer Beanspruchung ähnlich.

 

Problemstellungen:

 

1)         Keine eindeutigen und wissenschaftlichen Aussagen über eine sinnvolle Gewichtung der Techniken in der didaktischen Methodik in der vorhandenen Literatur.

 

2)         Es gibt verschiedene Interpretationen und subjektive Trainingsmodelle verschiedener Trainer, aber keine ist eindeutig mit Untersuchungen im Kampfsport belegt worden.

 

3)         Mögliche Zusammenhänge zwischen spezifischem Schnelligkeitstraining und Technikausführung sind im Taekwondo nicht erforscht.

 

Die Untersuchung fand mit 3 Gruppen statt (Anfänger, Fortgeschrittene, Kadersportler). Es wurden Schnelligkeitstest der drei Tritte durchgeführt.

 

Ziele der Untersuchung

 

1)         Ein aussagekräftige Diagnoseverfahren zur Feststellung des Leistungsniveaus im Wettkampf - Taekwondo, im speziellen der Schnelligkeitsmessung zu entwickeln.

 

2)         Nachzuweisen, dass die Unterschiede der 3 Leistungsgruppen Anfänger, Fortgeschrittene und Kadersportler sich signifikant in Schnelligkeit und Technikausführung unterscheiden.

 

3)         Einen signifikanten Leistungszusammenhang von Technikschnelligkeit und Technikexaktheit der 3 Gruppen festzustellen.

 

4)         Mentalitätsselbsteinschätzung ist bei Sportler/innen in den dafür gewichtigen Techniken wieder zu finden (Offensiv/Defensiv).

 

Untersuchungsaufbau

Der Proband steht auf einer Kontaktmatte am Boden. Des Weiteren sind eine hohe und eine tiefe Kontaktmatte am Sandsack befestigt. Jede Kontaktmatte hat eine markierte Trefferfläche von 10 cm. Die Kontaktmatten sind mit einem Computer und einem Zeitmesser verbunden.

 

Ergebnisse:

 

Zu 1)    Es war möglich, ein aussagekräftiges Diagnoseverfahren zur Feststellung des Leistungsniveaus im Wettkampf-Taekwondo, im speziellen der Schnelligkeitsmessung zu entwickeln.

 

Zu 2)    Die Aussage konnte bestätigt werden. Es gab signifikante Unterschiede der 3 Leistungsgruppen Anfänger, Fortgeschrittene und Kadersportler hinsichtlich der Schnelligkeit und der Technikausführung.

 

Zu 3)    Die Aussage konnte nicht eindeutig belegt werden. Es war nicht möglich einen signifikanten Leistungszusammenhang von Technikschnelligkeit und Technikexaktheit der 3 Gruppen festzustellen.

 

Zu 4)    Die Aussage konnte nicht nachgewiesen werden. Die Mentalitätsselbsteinschätzung war bei Sportler/innen in den dafür gewichtigen Techniken nicht wieder zu finden (Offensiv/Defensiv).

 

2. Untersuchungsmethodik

2.1 Personenstichprobe

Die Personenstichprobe umfasst 10 Probanden. Das Alter liegt zwischen 20 und 30 Jahren. In der Gruppe befindet sich eine Frau und ein Linkshänder. Die Probanden trainieren zwischen 1 und 8 Jahren Selbstverteidigung und haben eine allgemeine sportliche Aktivität von ca. 3-5 Stunden pro Woche. Es sind keine Leistungs- oder Wettkampfsportler unter ihnen. Beruflich sind 3 Probanden Studenten und 7 im Büro tätig. Das Training ist kein Wettkampf- oder Leistungstraining, sondern ausschließlich als Freizeitsport zu sehen. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ.

 

2.2 Messmethodik / -instrumentarium

Die Testperson steht eine Armlänge (von der entsprechenden Person) vor einer in Schulterhöhe befestigten Kontaktmatte (Abb. 1 + Abb. 2) und lässt die Arme locker neben dem Körper hängen.

 

Abb. 1: Testaufbau aus Frontalsicht

 

 

  

Abb. 2: Testaufbau von oben.

 

Nachdem die Testleitung ein optisches Signal in Form einer roten Lampe gegeben hat, hebt der Proband den Arm so schnell als möglich und kontaktiert die Matte auf Schulterhöhe mit den Fingerspitzen. Zeitgleich mit dem Aufleuchten der Lampe wird eine damit verbundene Uhr gestartet, die bei Berührung der Kontaktmatte die benötigte Zeit stoppt.

Zu beachten ist, dass die Versuchsperson nicht in der Hüfte nach hinten klappt, bzw. die Schulter mit nach vorne bringt. Dies war bei der Durchführung des Tests ein Problem, da einige Probanden die Bewegung nicht auf Anhieb separat ausführen konnten.

Da die Personenstichprobe nur 10 Probanden umfasst, wird für die statistische Auswertung der Wilcoxon-Test benutzt.

 

2.3 Untersuchungsverlauf

Das Training fand einmal wöchentlich (90 Minuten) im Rahmen des Trainingsangebots des Bujinkan Dojo Frankfurts statt. Ebenso der Eingangs- und Ausgangstest. Der Untersuchungszeitraum beträgt 9 Wochen.

Folgende Übungen wurden im Training eingesetzt:

 

1)         Händeabklatschen, parallel und nebeneinander

2 Probanden stehen sich mit fast ausgestreckten Armen gegenüber. Die Handflächen sind aneinandergelegt und die Fingerspitzen der Probanden berühren sich. Ein Proband versucht nun, auf die Hände des Gegenübers zu schlagen, während der Andere versucht seine Hände schnell genug wegzuziehen, damit er nicht getroffen wird. Die Hände können senkrecht als auch waagrecht gehalten werden. (ein Kinderspiel, aus eigenem Übungsrepertoire)

 

2)         Stock fangen

2 Probanden stehen sich mit fast ausgestreckten Armen gegenüber. Die Fingerspitzen der Probanden berühren sich. Ein Proband hält einen Stock in den Händen, den er fallen lässt und den der  Partner entsprechend auffangen soll. Der Stock kann mit einer oder auch mit beiden Händen gefangen werden. Die Übung wird auch in beiden Varianten geübt. (aus : Fetz, F., Kornexl, E.: Sportmotorische Tests; Göttingen 1987)

 

3)         Schlag in die Hand bei Augenzwinkern

2 Probanden stehen sich in Armlänge gegenüber. Einer hält seine Hände mit den Handinnenflächen zum Partner auf Schulterhöhe und gibt durch Augenzwinkern (links oder rechts) ein optisches Signal. Der Partner soll daraufhin in die vorgegebene Handfläche des Partners schlagen. (aus : Hartmann, J.:100 kleine Zweikampfübungen; Berlin 1977)

 

 

4)         Bei Angriff in Deckung gehen

2 Probanden stehen sich in Armlänge gegenüber. Ein Proband greift mit einer Ohrfeige an (links oder rechts). Der Verteidiger reißt so schnell wie möglich seine Hände und Arme hoch, um sein Gesicht vor der Ohrfeige zu schützen. (aus eigenem Übungsrepertoire)

 

5)         Bei Angriff kontern

2 Probanden stehen sich in Armlänge gegenüber. Ein Proband greift mit einer Ohrfeige an (links oder rechts). Der Verteidiger kontert so schnell als möglich mit einem Stich in das Gesicht des Angreifers. (aus eigenem Übungsrepertoire)

 

Die Übungen wurden immer nach dem Aufwärmtraining durchgeführt, da die Motivation, Konzentration und die Leistungsfähigkeit am Anfang des Trainings am höchsten sind.

 

3. Ergebnisse

3.1 Deskriptive Ergebnisse

Die Ergebnisse der Untersuchung betreffen den Eingangs- und den Ausgangstest. Dieser wird unterteilt in den rechten und linken Arm.

 

3.1.1 Darstellung der Ergebnisse des Eingangstests

Wenn man die Mittelwerte des linken und rechten Arms vergleicht, fällt auf, dass die bevorzugte Seite in 40% der Fälle nicht die schnellere ist. Weiterhin ist auffällig, das bei vier Probanden die gemittelte Differenz der gemessenen Mittelwerte zwischen linkem und rechtem Arm um den Faktor 1,59 niedriger ist als bei den restlichen Probanden.

 

3.1.2 Interpretation zu 3.1.1

Die Bedingungen für den Eingangstest waren für alle Probanden gleich. Warum 40% der Probanden mit ihrem bevorzugten Arm langsamer waren als mit dem anderen ist aus unserem erhobenen Datenmaterial nicht zu erkennen. Möglicherweise haben diese Personen durch einen Unfall ein Handicap davongetragen oder wurden, z.B. in der Schule, von links auf rechts “umgestellt”. Allerdings kann festgestellt werden, dass die mittlere Reaktionszeit unabhängig von links oder rechts individuell sehr unterschiedlich ist (von 414 ms bis 486 ms).

Interessant ist der Vergleich der Mittelwerte der Reaktionszeit-Differenzen zwischen den vier oben genannten Probanden und der restlichen Gruppe. Diese Differenz ist um den Faktor 1,59 niedriger als die der anderen 6 Probanden. Folglich scheinen die vier Probanden in ihrer Reaktionsschnelligkeit in Bezug auf ihren linken und rechten Arm gleichmäßiger ausgeprägt zu sein.

 

3.1.3 Darstellung der Ergebnisse des Endtests

Bei dem jetzigen Vergleich der Mittelwerte zwischen linkem und rechtem Arm stellen wir fest, dass nur noch bei 30% der Probanden die nicht bevorzugte Seite die schnellere ist. Bei drei Probanden ist die gemittelte Differenz der gemessenen Mittelwerte zwischen linkem und rechtem Arm nach dem Endtest um den Faktor 2,59 niedriger als bei den restlichen sieben Probanden.

 

3.1.4 Interpretation zu 3.1.3

Nach der Durchführung des Trainingsprogramms hat sich die Anzahl der Probanden, die mit ihrem bevorzugten Arm langsamer sind, auf 30% reduziert. Weitaus interessanter sind aber die Mittelwerte der Reaktionszeit-Differenzen, die sich von 11 ms auf 5 ms, bzw. von 18 ms auf 13 ms verringert haben. Setzt man diese Werte nun wieder in Verhältnis zueinander erhält man einen Faktor von 2,59. Obwohl sich in beiden Fällen die mittlere Reaktionszeit verringert hat, wurde der nach dem Eingangstest festgestellte Effekt noch verstärkt. Die Ursachen hierfür werden in dem gezielten Training der oberen Extremitäten in Bezug auf ihre Reaktionsschnelligkeit vermutet.

Die mittlere Reaktionsschnelligkeit variiert nach dem Training immer noch sehr stark in der individuellen Ausprägung (von 406 ms bis 470 ms). Allerdings ist der Maximal- und Minimalwert um 16 ms bzw. um 8 ms verbessert worden.

 

3.1.5 Darstellung der Veränderung der mittleren Reaktionszeit

Bis auf einen Probanden (Erkrankung beim Endtest) haben alle Probanden die Eingangsleistung beim Endtest verbessert oder zumindest bestätigt. Da es sich bei dem rechten Arm um die bevorzugte Extremität handelt (außer bei einem Probanden, bei dem die Werte entsprechend getauscht wurden für die Berechnung) kann man wohl davon ausgehen, dass das Training keinen ausreichenden Trainingsreiz gesetzt hat. Es konnte keine signifikante Verbesserung feststellt werden. Bestenfalls kann man von einem Trend sprechen.

 

3.1.6 Interpretation zu 3.1.5

Offensichtlich hatte das zu überprüfende Trainingsprogramm bei der Mehrzahl der Probanden einen positiven Einfluss auf die Reaktionsschnelligkeit. Vermutlich hat das gezielte Training mit der weniger ausgeprägten Extremität einen höheren Lerneffekt  als das mit der ausgeprägten Extremität, wobei aber auch diese verbessert werden konnte.

Herausstechend ist ein Proband, der sich links wie rechts hochsignifikant verbessert hat. Seine motorischen Eigenschaften waren zu Beginn der Untersuchung mit Abstand am wenigsten ausgebildet. Trotzdem lag seine Reaktionsschnelligkeit beim Eingangstest im Mittelfeld und nicht wie erwartet im unteren Bereich. Beim Endtest hingegen gehört dieser Proband zur Spitzengruppe. Vermutlich kann die Reaktionsschnelligkeit durch die Verbesserung motorischer Fähig- und Fertigkeiten positiv beeinflusst werden. Gleichzeitig scheint sie aber auch genetisch bedingt, da Probanden mit sehr guten motorischen Ausprägungen beim Endtest schlechtere Reaktionszeiten aufweisen. Diese Vermutungen müssten allerdings in einer separaten Untersuchung überprüft werden.

 

3.2 Analytische Ergebnisse

Für die Fragestellung, ob wir durch unser Trainingsprogramm die Reaktionsschnelligkeit der oberen Extremitäten beeinflussen können, teilten wir die Untersuchung in zwei Bereiche auf. Zum einen in die Messung der bevorzugten Extremität und zum anderen in die Messung der nicht bevorzugten Extremität (Links- und Rechtshänder) vor und am Ende der achtwöchigen Untersuchungsdauer. Entsprechend haben wir die erhobenen Datensätze des Eingangs- und Endtests miteinander verglichen. Die Signifikanzprüfung erfolgt auf dem 5%-Niveau.

Folgende Hypothesen wurden untersucht:

 

Hypothese 1: 

Das Trainingsprogramm führt zu einer Veränderung der Reaktionsschnelligkeit der ausgeprägten oberen Extremität. Es besteht ein Unterschied zwischen der Reaktionsschnelligkeit der ausgeprägten oberen Extremität zu Beginn und am Ende des Trainingsprogramms.

 

Entsprechend lautet die Gegenhypothese wie folgt:

Es besteht kein gesicherter Unterschied zwischen der Reaktionsschnelligkeit der ausgeprägten oberen Extremität zu Beginn und am Ende des Trainingsprogramms.

 

Da der errechnete T-Wert nicht kleiner/gleich dem Tafelwert ist (hier 8, nach Guilford, 1965, aus: Bös;  Einführung in d. stat. Auswertungsmethoden, S. 135)

gilt p >.05. Hypothese 1 muss daher verworfen werden, die Gegenhypothese tritt in Kraft:

Es besteht kein gesicherter Unterschied zwischen der Reaktionsschnelligkeit der ausgeprägten oberen Extremität zu Beginn und am Ende des Trainingsprogramms.

 

Hypothese 2:

Das Trainingsprogramm führt zu einer Veränderung der Reaktionsschnelligkeit der nicht ausgeprägten oberen Extremität. Es besteht ein Unterschied zwischen der Reaktionsschnelligkeit der nicht ausgeprägten oberen Extremität zu Beginn und am Ende des Trainingsprogramms.

 

Entsprechend lautet die Gegenhypothese wie folgt:

Es besteht kein gesicherter Unterschied zwischen der Reaktionsschnelligkeit der nicht ausgeprägten oberen Extremität zu Beginn und am Ende des Trainingsprogramms.

 

Da der errechnete T-Wert kleiner als der Tafelwert ist (hier 4, nach Guilford, 1965, aus: Bös; Einführung in d. stat. Auswertungsmethoden, S. 135) gilt p > .05.

Die Gegenhypothese muss daher verworfen werden. Somit tritt Hypothese 2 in Kraft:

Es besteht ein gesicherter Unterschied zwischen der Reaktionsschnelligkeit der nicht ausgeprägten oberen Extremität zu Beginn und am Ende des Trainingsprogramms.

 

3.2.1 Interpretation zu Hypothese 1

Die Reaktionsschnelligkeit der ausgeprägten oberen Extremitäten ließ sich aufgrund unseres Trainingsprogramms nicht signifikant verbessern. Es konnte eine minimale Verbesserung festgestellt werden, die aber statistisch gesehen nicht aussagekräftig ist.

Im Grunde war es abzusehen, das die Reaktionszeit der ausgeprägten Seite nur bedingt verbessert wird, da jeder Mensch fast alles mit seiner „starken“ Hand macht, sei es nun etwas fangen, halten oder der gleichen. Daher lässt sich die Dysbalance der Reaktionsfähigkeit vermutlich erklären. Bestätigt wird diese Aussage auch dadurch, dass einige Probanden bei den Trainingsübungen erhebliche Probleme mit der Motorik hatten, z. B. erreichte die Hand die fallende Stange, konnte diese aber nicht fassen.

Fraglich ist, ob nicht eine häufigere Trainingsbeanspruchung von mehr als nur 1x pro Woche über 8 Wochen zu einer größeren Verbesserung geführt hätte und mit welchem Einfluss dies sich auf die Dysbalance der Reaktionszeiten ausgewirkt hätte.

 

3.2.2 Interpretation zu Hypothese 2

Deutlich zu erkennen ist, dass der schwache Arm wesentlich mehr von unserem Trainingsprogramm profitierte. Es war statistisch nachweisbar, dass das Trainingsprogramm einen signifikant positiven Einfluss auf die Reaktionsschnelligkeit der nicht ausgeprägten Extremität hat.

Dies mag auch daran gelegen haben, dass die motorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten der schwachen Seite überproportional zum alltäglichen Gebrauch trainiert und dadurch verbessert wurden, was sich positiv auf die Umsetzung der Reaktionsschnelligkeit ausgewirkt hat. Hier sei noch einmal auf den Proband verwiesen, dessen Motorik zu Beginn der Untersuchung am schlechtesten ausgeprägt war. Trotzdem hat er am meisten von allen Probanden durch das achtwöchige Training profitiert.

 

4. Trainingspraktische Folgerungen

Aus unseren Untersuchungsergebnissen lassen sich für das Training folgende Schlüsse ziehen:

––        Die schwache Extremität wurde im Training offensichtlich bis jetzt nicht ausreichend beansprucht. Es sollte mehr darauf geachtet werden, das Trainingsübungen beidseitig durchgeführt werden, wobei die schwache Seite stärker gefördert werden sollte.

––        Auch die koordinativen Fertigkeiten sollten im Training gefördert werden. Vermutlich stehen diese mit der Reaktionsschnelligkeit in engem Zusammenhang.

––        Das Training über den relativ kurzen Zeitraum von nur acht Wochen hat gezeigt, das es sinnvoll sein kann Trainingsschwerpunkte über kürzere Zeitspannen und Trainingsumfänge mit Erfolg zu setzen.   Da es sich um Hobbysportler ohne Wettkampfambitionen handelt können zu lange Trainingszyklen mit dem gleichen Thema und Übungen zu Desinteresse und dadurch zu mangelnder Motivation führen.

 ––       Für die ausgeprägte Extremität werden wahrscheinlich größere Trainingsumfänge und eine größere Zeitspanne benötigt, um signifikante Verbesserungen zu erzielen.

 ––       Selbst mit einfachen Mitteln und Übungen, die den Probanden auch Spaß machen und die Motivation heben, können erkennbare Trainingserfolge erzielt werden. Es sind keine teuren oder komplizierten Traininggeräte, bzw. -aufbauten erforderlich. Die Übungen sind einfach zu verstehen und leicht umzusetzen. Zudem ist man nicht an einen festen Ort gebunden, z.B. Kraftstudio.

 

5. Zusammenfassung

In der durchgeführten Untersuchung wurde ein Trainingprogramm zur Verbesserung der Reaktionsschnelligkeit der oberen Extremitäten in der Selbstverteidigung, bzw. im Kampfsport überprüft. Dafür wurde die Reaktionsschnelligkeit von zehn Probanden (Hobbysportler im Bereich Kampfsport) nach einem optischen Reiz vor und nach der Durchführung des Trainingsprogramms erhoben. Dies erfolgte durch eine Signallampe die mit einer zu berührenden Kontaktmatte und einem Zeitmesser gekoppelt war. Die Untersuchung lief über einen Zeitraum von acht Wochen. Die Trainingszeit belief sich auf 1,5 Stunden pro Woche.

Die Auswertung wurde in die ausgeprägte und die nicht ausgeprägte Extremität aufgeteilt (Links-/Rechtshänder). Hierbei zeigte sich, dass sich die Reaktionsschnelligkeit der nicht ausgeprägten Seite signifikant verbesserte, während es auf der ausgeprägten Seite kaum zu einer Verbesserung kam. Offensichtlich wird die nicht ausgeprägte Extremität im Alltag, wie auch im normalen Training, zu wenig belastet und gefordert. Auf der anderen Seite reichte das Training nicht aus um die starke Seite deutlich zu verbessern. Hierzu müsste wahrscheinlich der Trainingsumfang und die Zeitspanne erhöht werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass durch einfache Mittel und wenig Aufwand ein respektables Ergebnis erzielt werden konnte. Zudem gewannen die Probanden an Selbstsicherheit und -vertrauen, welches in Bezug auf eine erfolgreiche Selbstverteidigung auf der Straße sehr wichtig ist.

 

 

6. Literaturverzeichnis

 

Bastian, M.:                            Theoretische Positionen und Lösungsansätze zur Verbesserung der Handlungsschnelligkeit im Boxsport; Leipzig 1990

 

Bös, K.:                                   Einführung in die statistischen Auswertungsmethoden (Scriptum); Frankfurt am Main

 

Bös, K.:                                   Handbuch sportmotorischer Tests; Göttingen 1987

 

Bös, K., Postuwka, G.:           Leitfaden zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten (Seminar- und Examensarbeiten); Frankfurt am Main 1998

 

Dauner, T.:                             Geschwindigkeitsanalyse der unteren Extremitäten - Schnelligkeitsmessung von Taekwondo - spezifischen Wettkampftechniken (Diplomarbeit); Frankfurt am Main 1996

 

Fetz, F., Kornexl, E.:              Sportmotorische Tests; Göttingen 1987

 

Hartmann, J.:                          100 kleine Zweikampfübungen; Berlin 1977

 

Röthig, P.:                               Sportwissenschaftliches Lexikon; Schorndorf 1992

 

Schlosshahn, A.:                     Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten für das Studium der Sportwissenschaften; Frankfurt am Main 1990

 


 

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