Das Bujinkan Dojo Frankfurt am Main
Ninjutsu verfügt durch die umfassende Verbreitung des Bujinkan mittlerweile weltweit über viele tausend Anhänger, von denen viele öffentlichkeitswirksam
arbeiten. Dennoch werden immer wieder dieselben Fragen über Ninjutsu gestellt, da sich die Mehrzahl der Bevölkerung noch immer ein völlig falsches Bild
dieser traditionellen japanischen Kampfkunst macht. Diesem Umstand soll diese OGF-Seite über Ninjutsu Abhilfe verschaffen.
Dieser Teil der OGF über Ninjutsu versucht so kurz wie möglich, einige stets wiederkehrende Fragen über Ninjutsu zu beantworten.
1. Was ist Ninjutsu und wie entstand es?
Das Wort Ninjutsu kann man in zwei Teile zerlegen: Nin und Jutsu. Ninjutsu bedeutet übersetzt «die Kraft des ausdauernden Herzens». Das Kanji «Nin»
oder «Shinobi» bedeutet versteckt, geheim oder ausdauernd. Das Kanji-Zeichen «Nin» besteht aus zwei Teilen. Der obere Teil bedeutet «Ken» (Schwert),
der untere Teil «Kokoro», d.h. Herz oder Seele. Hiermit ist gemeint, dass das Herz die Waffe kontrolliert bzw. dass das Herz scharf, hart und ausdauernd
wie eine Klinge sein soll. «Jutsu» bedeutet «Kunst» oder «Fähigkeit».
Es gibt viele Theorien und Legenden über die Entstehung derjenigen Kampfkunst, die heutzutage unter dem Begriff «Ninjutsu» bekannt ist. In Wahrheit gab
es nie eine eigene, völlig entwickelte Kampfkunst bzw. ein klar abgegrenztes Kampfsystem mit dem Namen Ninjutsu. Diejenigen, die man zu einem späteren Zeitpunkt «Ninja» nennen sollte, bezeichneten sich selbst durchaus nicht als solche. Die ersten Aufzeichnungen, in denen das Wort «Ninja» auftaucht, stammen
aus dem 18. Jahrhundert. Die Kunst des Ninjutsu ist jedoch weitaus älter. Diejenigen, die Ninjutsu ausübten, sahen ihre Kunst als eine Mischung von politischen Auffassungen, Religion, Militärstrategien und Kampftechniken und hielten diese Kunst streng geheim, da sie als kultureller Gegenpart zu der damaligen Klasse
der Samurai ständiger Oppression unterlagen. Im Laufe der Zeit fand eine immer stärkere Spezialisierung einzelner Techniken statt, die im genauen Gegensatz
zu den bestehenden Samurai-Etiketten standen.
2. Waren Ninja früher Killer und gedungene Mörder?
Nein. Die ersten so genannten Ninja dienten als
Wegführer (Scouts) oder Berater. Soke Dr. Masaaki Hatsumi sagt hierzu: «In reviewing
Takamatsu-sensei' observations on the teachings of the Toda family grandmaster
of Togakure Ryu, it quickly becomes apparent that the tales portraying ninja as
cold-hearted, criminally-minded, professional murderers are grossly
exaggerating the true story of Japan's history. Certainly, previous centuries
in
of assassins,
thieves, and saboteurs who imitated the physical way of the ninja and would
perform any task for the right amount of money. Without moral and spiritual
guidance from the head of a major ninjutsu ryu or clan, however, these
desperate persons were not even shadows of the true ninja of
therefore
do not concern us at all».
3. Was heißt «Ninpo Ikkan»?
Ninjutsu ist der Anfang und kennt kein Ende.
Nin: Körperliche Ausdauer und Stärke
Po: Weg, Methode
Ik: Kurzform von Ichi (Eins)
kan: In Bewegung halten
4. Was heißt «Shikin Haramitsu Daikomyo»?
Jede Erfahrung (ist heilig, und) kann der alles vermögende Schlüssel zu dem großen universellen Licht (Erleuchtung) sein, das (die) wir suchen.
5. Was bedeutet der Name Bujinkan? Woher kommt dieser Name und wie nannte man die im Bujinkan gelehrten Kampfkunsttechniken vorher?
Soke Dr. Masaaki Hatsumi wählte den Namen Bujinkan (Schule des göttlichen Kriegers) zu Ehren seines Lehrers Toshitsugu Takamatsu. Soke Dr. Masaaki Hatsumi spricht davon, dass die Inspiration zu seinen Techniken von diesem Bujin kämen. Der Name ist von Soke Dr. Masaaki Hatsumi entwickelt und hat keinerlei Beziehungen zu anderen Systemen, Namen oder Bezeichnungen. Die Namensgebung war ab dem Zeitpunkt nötig, von dem ab Soke Dr. Masaaki
Hatsumi entschlossen war, eine Kampfkunstvereinigung zu gründen, innerhalb der er seinen Schülern sein Wissen weitervermitteln wollte. Soke Dr. Masaaki Hatsumi selbst hat die neun innerhalb des Bujinkan als Einheit gelehrten Ryu noch als eigenständige Kampfkunststile erlernt.
6. Wann und warum wurde im Ninjutsu ein Graduierungssystem eingeführt?
Dr. Masaaki Hatsumi ist der Soke (Großmeister) von neun traditionellen japanischen Kampfkunstschulen (Ryu). Als er sich entschloss zu einer Wissens-
weitergabe entschloss, entwickelte er eine Synthese der in den neun Ryu enthaltenen Techniken, die er Ninpo Taijutsu nannte. Alle, die heutzutage über eine innerhalb des Bujinkan vergebene Graduierung verfügen, besitzen daher eine Graduierung im Ninpo Taijutsu und nicht in einer oder allen dieser neun Ryu.
Soke Dr. Masaaki Hatsumi entwarf für das Bujinkan ein Kyu- und Dan-Graduierungssystem. Zuerst gab es darin nur fünf Kyu-Grade und zehn Dan-Grade.
Später erhöhte er die Anzahl der Kyu-Grade auf zehn. Heutzutage gibt es nach dem zehnten Dan noch fünf weitere Graduierungen, die den fünf Elementen zugeordnet sind. Bevor dies eingerichtet wurde, wurden die neun Ryu gemäß dem traditionellen Menkyo-kaiden-System an diejenigen weitergegeben, die
das Keppan unterzeichnet hatten (Blutschwur), wodurch sie sich verpflichteten, keinerlei Wissen der Ryu an Außenstehende weiterzugeben.
7. Was ist der Godan-Test und warum wird er durchgeführt?
Der Prüfung zum 5. Dan wird nur von Soke Dr. Masaaki Hatsumi durchgeführt. Die Prüfung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Außer Soke
Dr. Masaaki Hatsumi dem oder den zu testenden Schülern sind nur Godan-Träger bzw. höher Graduierte anwesend. Bei diesem Test sollen nicht wie bei
allen vorhergehenden Prüfungen Taijutsu-Techniken sondern vielmehr die «übersinnlichen» Fähigkeiten des Schülers getestet werden. Man kann diese Fähig-
keiten auch als 6. Sinn bezeichnen, mittels dessen man Gefahren erahnen kann, bevor man sie mit den fünf Sinnen wahrnimmt. Der Prüfling muss dabei einem
von hinten ausgeführten Schwertangriff in Seiza sitzend genau im richtigen Moment ausweichen, indem er die Tötungsabsicht (Sakki) rechtzeitig wahrnimmt (heutzutage wird dieser Test übrigens nur noch mit dem Shinai [Bambusschwert] durchgeführt). Wichtigster Inhalt dieses Tests ist somit die Prüfung des Verhältnisses zwischen Lehrer und Schüler. Der Schüler beweist Vertrauen in seinen Lehrer und wird eins mit ihm. Wenn eine Verbindung zwischen dem Herz
des Lehrers und dem des Schülers besteht, ist der Test ohne Schwierigkeiten durchführbar. Das Schwert bzw. der Schwertangriff dient lediglich dazu, die
Fähigkeit des Schülers bzw. seine Reaktion an sich für Umstehende sichtbar zu machen.
8. Was wird heute unter dem Begriff Bujinkan Budo Tai Jutsu gelehrt?
Die Kampftechniken von neun verschiedenen traditionellen japanischen Kampfkunstschulen, von denen Dr. Masaaki Hatsumi jeweils der Großmeister (Soke)
ist. Die Bujinkan-Lehrmethode lehrt anstelle eines Katalogisierens von Techniken einheitliche und natürliche Tai Jutsu-Kampfstrategien, auf dem die Handhabung von Waffen (Budogu) jeglicher Art aufbaut. Im Wesentlichen umfasst Bujinkan Budo Tai Jutsu die folgenden Inhalte:
Taihen-jutsu: Kaiten (Rolltechniken), Nagare (fließende Rollen), Ukemi (Falltechniken), Tobi (Sprungtechniken), Shinobi-iri (Fortbewegungstechniken).
Dakentai-jutsu: Uke-waza (Blocktechniken), Uchi-waza (Schlagtechniken), Tsuki-waza (Stoßtechniken), Keri-waza (Tritt-Techniken) aus den Bereichen des Koppo-jutsu (Knochenbrechertechniken) sowie des Koshi-jutsu (Angriffe gegen Muskeln und Nerven).
Jutai-jutsu: Nage-waza (Wurftechniken), Ha-jutsu (Entkommen), Gyaku-waza (Gegentechniken), Shime-waza (Würgetechniken), Tori-te (Halten und Umstoßen), Kansetsu-waza (Hebeltechniken), Osae-komi-waza (Haltetechniken im Boden / Niederdrücken).
Es gab 36 Wissensgebiete, die ein Ninja zu meistern hatte: die zehn Kampfkunstgebiete (genannt Bugei Juhappan) sowie die zehn Kategorien der geheimen Techniken (genannt Ninja Juhakkei). Im Laufe der Jahrhunderte wurden immer wieder neue Listen zusammengestellt, was die Bugei Juhappan angeblich beinhalteten. Nachfolgend ist eine umfassendere - dafür aber auch authentische und wohl auch wahrscheinliche - Zusammenstellung wiedergegeben.
Bugei Juhhapan
1. Ju-jutsu oder Kenpo: Unbewaffnete Verteidigung
2. Ken-jutsu oder Gekken-jutsu: Schwerttechniken
3. Ken-jutsu oder Batto-jutsu: Andere Art von Schwerttechniken
4. Kusarifundo-jutsu (Kusari-dogu): Kettentechniken
5. Kusarigama-jutsu: Kombinierte Ketten-Sichel-Techniken
6. Bo-jutsu: Techniken mit dem Langstock
7. So-jutsu: Speertechniken
8. Naginata-jutsu: Hellebarden-Techniken
9. Sui-ren: Wassertechniken
10. Ba-jutsu: Reittechniken
11. Kisha-jutsu: Bogenschießen vom Pferd aus
12. Jo-jutsu: Techniken mit dem Jo
13. Kyu-jutsu: Bogenschießen
14. Yori-kumi-uchi: Der Kampf mit einer Rüstung
15. Hojo-jutsu oder Hobaku-jutsu: Fesseltechniken
16. Jutte-jutsu: Eisenstabtechniken
17. Ho-jutsu: Täuschungen
18. Nage-ken-jutsu oder Shuriken-jutsu (Token-jutsu): Klingenwerfen
Ninja-Juhakkei
1. Seishin-teki-kyoyo: Spirituelle Meditationstechniken (Meso)
2. Tai-jutsu: Unbewaffneter Kampf (Körpereinsatz)
3. Biken-jutsu: Schwerttechniken
4. So-jutsu: Speertechniken
5. Naginata-jutsu: Hellebardentechniken
6. Bisento-jutsu: Techniken mit der Kriegshellebarde
7. Kusarigama-jutsu: Techniken mit der Sichel-Ketten-Waffe
8. Rokushakubo-jutsu: Techniken mit dem Langstock
9. San-jaku-bo-jutsu (Jo-jutsu): Techniken mit dem Hanbo und dem Jo
10. Shuriken-jutsu und Senban-nage-jutsu: Klingenwurftechniken
11. Kisha-jutsu: Bogenschießen vom Pferderücken aus
12. Inton-jutsu: Spezielle Techniken, um plötzlich zu verschwinden
13. Hoko-jutsu: Gehtechniken (Fortbewegungstechniken)
14. Henso-jutsu: Verkleidungstechniken
15. Kakushi-buki-jutsu: Geheime Waffentechniken
16. Ninryaku-jutsu: Spezielle Techniken, um zu verschwinden
17. Sunryaku-heiho: Strategie
18. Ten-mon (Chi-mon): Wetter- und Länderkunde
19. Kayaku-jutsu: Umgang mit Feuer- und Explosivstoffen
20. Boryaku: Strategie, Taktiken, Kriegslisten
21. Cho-ho: Spionagetechniken
Am wichtigsten unter den oben angeführten Wissensgebieten sind Senshin-teki-kyoyo (Spirituelle Meditationstechniken) und Tai-jutsu (Unbewaffnete Selbstverteidigung). Beide zusammen verleihen dem Ausübenden Kräfte, die einem Außenstehenden «übernatürlich» erscheinen mögen. Wenn man Seishin-
teki-kyoyo beherrscht sowie die Philosophie des Ninjutsu verinnerlicht hat, dann kommen die entsprechenden Kampfstrategien in jeder Situation von ganz allein; beherrscht man darüber hinaus auch noch die Kunst des Tai-jutsu, welche die Grundlage für alle Kampfkünste bildet, dann kann man jegliche andere Kampf-
kunst spielend meistern.
Hierunter
versteht man die fünf Elemente Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere. Godai
wird in fünf Seinsstufen oder Energien zusammengefasst (Gorin No To).
1. Erde: (Chi)
ist die Grundstufe oder auch grundlegende Energie.
2. Wasser: (Sui
oder Mizu) ist das Grundwasser sowie das Wasser in Seen, Flüssen und
Meeren.
Wasser
passt sich an und verändert seine Form.
3. Feuer: (Ka
oder Hi) ist die Wärme der Sonne (Kampf).
4. Wind: (Fu
oder Kaze) bewegt sich immer in Verbindung mit Wärme. Wind birgt viel
Macht in sich.
5. Leere: (Ku)
ist die höchste Stufe. Ohne sie ist keine der vorherigen möglich.
Leere meint: ohne Anfang
und
ohne Beginn. Das Element Leere darf keinesfalls mit «nichts»
missverstanden werden.
Habt Ihr noch Anregungen für
diese Liste? Dann schickt sie fleißig her, damit wir sie aufnehmen
können.
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