Christian Bieck (6. Kyu)

Die Entstehung der Mangas

 


Obwohl der Begriff „Manga“ im Jahre 1814 erfunden wurde, hat diese Kunstform ihre Ursprünge im 12. Jahrhundert. Als erster Manga wird gemeinhin der von dem buddhistischen Mönch Toba gezeichnete „Choujuu Giga“ (Vogel- und Tierkarikaturen) bezeichnet, einer Satire, in der sich Tiere wie Mönche benehmen.

Am Anfang des 13. Jahrhunderts entwickelte sich dieser Trend, Bilder von unterschiedlichen Tieren und dem Leben nach dem Tode an Tempelwänden zu zeichnen, weiter. Diese Zeichnungen waren in ihren absichtlichen Übertreibungen schon sehr ähnlich zu dem Aussehen den Mangas der heutigen Zeit. Über mehrere hundert Jahre behandelten diese Zeichnungen eine Vielzahl von Themen, von Zeichnungen aus dem Alltagsleben bis hin zu erotischen Bildern, auch wenn der Stil an sich immer ähnlich blieb.

Am Anfang des 16. Jahrhunderts gewannen Bilder dieser Art an Popularität und wurden nun nicht mehr nur auf Tempelwänden gezeichnet, sondern auch auf Holzschnitte. Während dieser Zeit wurde die Bandbreite der Themen größer und weniger religiös.

 

Der Stil an sich änderte sich ebenfalls, da die Bilder nun aus einfarbigen Farbkompositionen mit einfachen Umrissen und einfachen Farbtypen bestand. Zu dieser Zeit war es das Thema an sich, das bedeutend war, und nicht die Art, wie dieses Thema ausgedrückt wurde.

Im Jahre 1702 sammelte Shumboko Ono, so etwas wie eine frühe Manga-Berühmtheit, diese Bilder und fasste sie in Büchern zusammen. Diese frühen Mangas waren mehr Bildersammlungen als eine zusammenhängende Geschichte, doch war es diese Angewohnheit, die über mehrere hundert Jahre schließlich dazu führen würde, dass Bücher publiziert werden würden, die eine zusammenhängende Geschichte mit anschaulichen Bildern illustrieren. Auf diese Weise wurden die Illustrationen von einer blossen Ansammlung verschiedener Bilder zu einer zusammenhängenden Reihe von Bildern, die zusammen eine Geschichte erzählten. Diese Art von „Comicbüchern“ wurde als Toba-e bezeichnet und wurde im Verlauf des nächsten Jahrhunderts zur Hauptform der japanischen Literatur.

 

Mit dem Verlauf der Zeit änderten sich die verschiedenen Themen der Mangas als Antwort auf gesellschaftliche Ereignisse und Veränderungen. Mit Eintritt der Meiji-Ära im Jahre 1868 und dem wachsenden Einfluss der westlichen Welt, wurde Japan zusehends zu einem modernen Staat, dessen neuzeitliche Massenmedien wie Zeitungen und Zeitschriften eine Vielzahl von verschiedenen Mangas enthielten.

Mit der Öffnung Japans gegenüber dem Westen wurden Mangas zunehmend durch amerikanische Comicstrips inspiriert, ein Trend, der auch nach Ende des 2. Weltkrieges weiter anhielt.

Unter dem Einfluss des Arztes Osamu Tezuka entwickelte sich  die Kunstform der Mangas weiter und nahm nun die Form an, die heutzutage weltweit als Manga bekannt ist. Beeinflusst von Büchern, Filmen und Cartoons wie Betty Boop und Disney, aber auch von expressionistischen Filmen aus Deutschland und Frankreich, gab er den Mangas einen cinematographischen Einfluss. Sein erstes Werk, „New Treasure Island“, war der Beginn des modernen Mangas, denn von nun an waren die Bilder und nicht mehr der Text die vorantreibenden Erzählelemente einer Geschichte.

Am berühmtesten wurde Osamu Tezuka durch seinen Manga „Testsuwan Atomu“ (Astro Boy) und auch im deutschsprachigen Raum erlangten seine Werke Bekanntheit, vor allem durch „Kimba, der kleine weiße Löwe“.

 

Ende der 60er waren Kinder nicht mehr die einzige Zielgruppe, denn Mangas fanden inzwischen positive Resonanz sowohl bei Jungendlichen als auch bei Erwachsenen.

In den 80er Jahren hatte sich der Mangastil immer weiter verfeinert und wurde nun immer mehr Teil des alltäglichen Lebens, so dass er heutzutage fast omnipräsent in der modernen Medienlandschaft der japanischen Gesellschaft ist.

 

Obwohl der erste in Deutschland veröffentlichte Manga „Barfuß durch Hiroshima – Eine Bildergeschichte gegen den Krieg“ von Keiji Nakazawa bereits im Jahre 1982 publiziert wurde und in den anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien in den 80er Jahren Mangas bereits in großen Stückzahlen verkauft wurden, begann sich das Manga-Genre erst Anfang der 90er langsam in Deutschland zu etablieren.

Maßgeblich daran beteiligt war hierbei der Anime „Akira“, dessen für japanische Animes typische Dynamik und für westliche Zeichentrickfilme sehr untypische Brutalität das Genre Anime in Deutschland bekannt machte.

Trotz einiger Fachzeitschriften und einzelner verstreuter Importeure schaffte jedoch erst die Publikation des Mangas „Dragonball“ von Akira Toriyama den endgültigen Durchbruch der japanischen Comics. Aufgrund des großen Verkaufserfolges erkannten die deutschen Verlage das Potential des Mangas und begannen nun auch mit der Verlegung von nicht ganz so bekannten Manga-Serien, so dass der Mangatrend eine stetige Verbreitung fand und heutzutage nicht mehr aus der deutschen Comiclandschaft wegzudenken ist.

 

Literatur

Jacqueline Berndt (1995): Phänomen Manga. Quintessenz Verlag. ISBN 3-861-24289-3

Osamu Tezuka (Vorwort), Frederik L. Schodt (1983): Manga! Manga! The World of Japanese Comics. Kodansha America. ISBN 0-870-11752-1 (englisch)

 

 


 

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