Sommerlager des Bujinkan Dojo Frankfurt am Main

im August 1995 auf Mallorca


Shidoshi Dr. Gerhard Schönberger (r.) und Roger Westerweller (l.) auf einem der malerischen Trainingsplätze.


Das Sommerlager des Bujinkan Dojo Frankfurt am Main fand 1995 zum ersten Mal auf Mallorca statt. Mit einem preiswerten Gruppenticket der Lufthansa ging es vom Frankfurter Flughafen nach Ciutat de Mallorca (Palma), wo bereits die vorab gemieteten Leihwagen bereitstanden.

Die Unterbringung fand in einem Drei-Sterne-Hotel unmittelbar an den Ramblas von Ciutat statt. Ein Vorteil, den einige der Teilnehmer schon am ersten Abend erkannten, befand man sich doch auf diese Weise direkt im kulturellen Geschehen der mallorquinischen Hauptstadt und fernab der Auswüchse des Billigtourismus.

Das Konzept des Trainingslagers war es, den Teilnehmern neben dem täglichen sechsstündigen Training die Möglichkeit zu geben, das nicht-touristische, beinahe gänzlich unberührte Mallorca zu erleben, d.h. ihnen neben den unzähligen Schönheiten der Insel auch direkten Kontakt zur einheimischen mallorquinischen Bevölkerung zu bieten.

Der Monat August ist für Mallorca ein idealer Reisemonat. Es ist nicht mehr so heiß (ca. 25-30 Grad) und der Haupttourismusstrom hat bereits abgenommen. Wenn die große Sommerhitze angenehmeren Temperaturen gewichen ist, kann man im Landesinneren beispielsweise tagelang spazieren, ohne auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen.

Im Anschluss an die Trainingseinheit des ersten Tages stand in der an diesem Tag extra verlängerten Mittagspause das Kennenlernen der näheren Umgebung des Hotels und der Innenstadt von Ciutat sowie eine Besichtung einiger wichtiger Sehenswürdigkeiten (wie z.B. der Baumbestandenen Promenade Es Born, der Altstadt, La Seu [der Kathedrale], der Almudaina, Museu de Mallorca, Consolat de Mar und anderes mehr) auf dem Plan. Schnell zeigte es sich, dass mit Dr. Gerhard Schönberger ein ebenso geistreicher wie kompetenter Führer zur Seite stand, der auch das «andere», eigentliche Mallorca wie seine Westentasche kennt. Die Teilnehmer trainierten insgesamt an vielen ebenso bezaubernden wie auch oftmals zugleich historisch bedeutenden Orten (Ciutat de Mallorca [Palma], Porto Cristo, Alcúdia, Pont de Pollença, Cap de Formentor, Sa Calobra [die zweitschönste Passstraße Europas], Sóller [neben der Zugverbindung nach Inca übrigens die einzige Zugverbindung auf der Insel], Valldemosa [berühmt geworden durch den Aufenthalt von Frédéric Chopin und George Sand], dem mittelalterlichen arabischen Herrschaftshaus Sa Granja bei Bunyola, Inca, in den Bergen beim Kloster Lluc, bei Llucmajor auf dem Berg Randa [der nur dort erhältliche Likör der Franziskanermönche ist sehr zu empfehlen...], am Cap Blanc, um nur die wichtigsten zu nennen).

Kamae no Kata auf Felsen

Jeden Tag galt es früh aufzustehen, und nach einem ebenso ausgiebigen wie «leckeren» mallorquinischen Frühstück mit dem Auto das jeweilige Tagesausflugsziel aufzusuchen. Da die Insel in ihren Dimensionen recht klein ist, nahmen derartige Fahrten nie mehr als 30-45 Minuten in Anspruch und führten durch malerisch schöne Landschaften.

Die Ausflugsziele bzw. Trainingsstätten waren stets so gewählt, dass es meist nur eines kurzen Wegs bedurfte, um sich im glasklaren Wasser einer nahe gelegenen Bucht abzukühlen. Da in den heißen Mittagsstunden kein Training stattfand, nutzten in der Regel alle Teilnehmer dankbar die sich ihnen bietende Gelegenheit, um sich in die Fluten zu stürzen und die vom harten und anspruchsvollen Training erhitzten Körper abzukühlen. Auf diese Weise wurde das Training mehrfach im Wasser fortgesetzt, wobei es sich zeigte, dass zu Land überlegene Gegner im Wasser des Öfteren im wahrsten Sinne des Wortes «untergingen».

Die Trainingstage standen jeweils unter einem bestimmten Motto (Bujinkan Ninpo Tai Jutsu und Budogu im Zusammenhang mit den fünf Elementen). Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen wurden auch die Kata der Kukishinden Ryu (Shoden No Kata [9 Kata], Chuden No Kata [12 Kata], Sabaki No Kata [12 Kata], Okuden No Kata [12 Kata] und Shirabe Moguri Kata [12 Kata]) noch einmal wiederholt. Verwirrte die Vielzahl der Techniken und Henka am ersten und zweiten Tag noch einige der Teilnehmer, so hatten sich schon am dritten Tag alle mit Begeisterung an die Trainingsdisziplin und an das hohe Niveau gewöhnt. Unterstützung in den Trainingseinheiten erhielt Shidoshi Dr. Gerhard Schönberger täglich immer wieder durch seine fortgeschrittenen Yudanshakai-Mitglieder.

Trainingseinheiten mit Sonnenaufgang in den frühen Morgenstunden fehlten ebenso wenig wie solche mit Sonnenuntergang über dem Meer in den späten Abendstunden. Zudem wusste Shidoshi-ho Uwe Küchler viele der Teilnehmer auch außerhalb der regulären Trainingszeiten mit seinen T'ai Chi Ch'uan-Kenntnissen des alten chinesischen Lee-Familienstils zu begeistern und zum Mitmachen anzuregen (besonders eindrucksvoll war seine T'ai Chi Ch'uan-Vorführung der großen Form des Lee-Stils auf einem 1,50 x 2,00m großen Felsen am Cap Blanc hoch oben über dem Meer).

Abends kehrte man in der Regel in einem der stillen Fischrestaurants ein und genoss bei leisem Plätschern der Wellen die üppige mallorquinische Meeresküche (wobei der Wahrheit zuliebe angemerkt werden muss, dass der auf der Insel feilgebotene Fisch in der Regel vom Festland eingeflogen wird). Frisch gestärkt zog es daraufhin einige Teilnehmer stets von neuem in das mallorquinische Nachtleben, während andere die Ruhe des Hotels oder einer stillen Bar aufsuchten, um so Kraft für den nächsten Tag zu sammeln.

Im Verlauf des Sommerlagers ergaben sich bei beinahe allen Teilnehmern herzliche Kontakte zur mallorquinischen Bevölkerung. Einige warfen daher kurzerhand ihre Spanischkenntnisse über Bord und stürzten sich in das «Sprachabenteuer» Mallorquinisch (Sprachvariante des Katalanischen auf der Baleareninsel Mallorca).

Für alle stand bei Ende des Trainingslagers und des Aufenthalts fest, dass ein Sommerlager mit einer solchen fürsorglichen individuellen Betreuung und der optimal gelungen Kombination von Sommerlager und Erlebnisurlaub unter derartigen Bedingungen nicht das letzte seiner Art gewesen ist.


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