Bujinkan Budô Taijutsu im Bujinkan Dojo: ein kurzer Überblick

Von Uwe Küchler (2. Dan)

Das heute unter der Anleitung von Dr. Masaaki Hatsumi Soke im Bujinkan gelehrte Bujinkan Bud˘ Taijutsu stellt eine Zusammenfassung von neun verschiedenen japanischen Kampfkunststilen (Stilrichtungen, Schulen) dar, die sich im Lauf der Zeit entwickelten. Die neun Stilrichtungen sind: Togakure Ryu Ninpo, Gyokko Ryu Koshijutsu, Kukishinden Ryu Happo Hiken Jutsu , Gyokushin Ryu Ninpo, Koto Ryu Koppojutsu, Takagyoshin Ryu Jutaijutsu, Shindenfudo Ryu Dakentaijutsu , Gikan Ryu Koppojutsu und Kumogakure Ryu Ninpo. Dr. Masaaki Hatsumi besitzt in allen diesen traditionellen Stilen den Titel des Soke (Großmeisters).

Das Togakure Ryu Ninjutsu als älteste Ryu innerhalb des Bujinkan Dojo blickt auf eine bereits über 800 Jahre alte Tradition zurück. Die so genannten «Ninja» oder «Shinobi» waren ursprünglich Familien, die fernab des Einflusses der zivilisierten Bereiche des japanischen Kaiserreichs in den Bergen lebten. Der Ursprungsort des Togakure Ryu Ninjutsu war die Gegend Togakure (übersetzt: Dorf und Berge). Der Begründer dieser Ryu, Daisuke Nishina, nahm später auch den Namen dieser Gegend als seinen eigenen an.

Da die Ninja nicht auf den strengen Verhaltenskodex der Samurai, den Bushido, eingeschworen waren (sie unterstanden auch nicht direkt einem Herrscher), waren ihnen Wege zum Kämpfen offen, die ein herkömmlicher Kämpfer niemals ohne Verlust seiner Ehre hätte betreten können. Das Ninjutsu entwickelte sich so zu einer äußerst flexiblen Kampfkunst, in die ständig Elemente anderer Kampfkünste einflossen, so auch spirituell-mystische Elemente (z.B. die Kuji-In über Buddhismus und Shingon). Dies führte dazu, dass den Ninja magische, übermenschliche Kräfte nachgesagt wurden. Dadurch wurden sie bald von verschiedenen Feudalherren und dem Kaiser als Agenten entdeckt, deren Machtbestreben ein Ninja durch verdecktes Arbeiten oft besser gerecht werden konnte als z.B. ein Samurai im offenen Kampf.

Die Ninja gelangten dadurch auch in den ihnen nach wie vor anhaftenden Ruf des bezahlten Killers und des willenlosen Machtwerkzeuges. Oft allerdings handelte es sich bei den verrufenen Ninja nicht um Abstammende einzelner Ninja-Familien, sondern eigentlich um heruntergekommene Samurai ohne Herr (Ronin). Wegen der fehlenden Bindung an den Bushido und der Unabhängigkeit von bestimmten Herrschern wurden die Ninja in der Öffentlichkeit geächtet und später auch von um ihre Macht besorgten Herrschern verfolgt.

Dies führte dazu, dass die Ausübung der Kunst des Ninjutsu nur noch im Geheimen möglich war, da die Praktizierenden um ihr Leben fürchten mussten. So war die Kunst des Ninjutsu nur noch "Familienangehörigen" und einigen wenigen ausgewählten Eingeweihten zugänglich. Diese Umstände blieben bis in die Neuzeit bestehen.

Erst in den letzten Jahrzehnten gelangte das Ninjutsu im Rahmen der von Dr. Masaaki Hatsumi im Bujinkan vertretenen einheitlichen Lehrmethode aller neun genannten Stilrichtungen an die Öffentlichkeit. In der westlichen Welt wurde Ninjutsu zunächst in Israel (Doron Navon Sensei), dann vor allem in Amerika (Stephen Hayes, Sensei) und in Schweden (Bo F. Munthe, Sensei) schnell populär. Weitere europäische Staaten sowie Australien folgten. Nach Deutschland gelangte Ninjutsu trotz des einzigartigen und unermüdlichen Einsatzes von Wolfgang Ettig (5. Dan, Shidoshi) vergleichsweise spät, jedoch sind hier intensive Bemühungen im Gange, das authentische Ninjutsu einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der stetige Zuwachs im 1. Deutschen Judo-Club Frankfurt am Main sowie der Freien Turnerschaft Nord 1906 Frankfurt e.V. und in anderen Bujinkan-Gruppen Deutschlands sowie vor allem die Aufnahme von Ninjutsu als Bud˘-Sportart in die Landesgruppe Hessen des Deutschen Dan-Kollegiums e.V. und des Hessischen Dan Kollegiums lässt eine erfolgreiche Zukunft dieser traditionsreichen und effektiven Kampfkunst auch hierzulande erwarten.


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