Raphaela Kronenberger (4. Kyu)

Aufsichtspflicht im Vereinsalltag

Stand: 2004


Vorwort

Der folgende Text ist eine auszugsweise Zusammenfassung der Broschüre "Aufsichtspflicht im Vereinsalltag" der Sportjugend Hessen . Für die Richtigkeit des Inhaltes übernehmen wir keine Verantwortung und/oder Haftung. Die Broschüre kann kostenlos über die Sportjugend Hessen unter info@sportjugend-hessen.de bezogen werden (das Wort "falsch" muss aus der Adresse entfernt werden!).

 

1. Die Ausgangssituation

Erziehungs- und Aufsichtspflichtige Personen gibt es, weil Kinder und Jugendliche drohende Gefahren oft nicht erkennen, nicht richtig einschätzen und folge dessen nicht angemessen darauf reagieren können. Die Betreuungspersonen sollen vor Schäden schützen, die Kinder und Jugendlichen erziehen, lehren und bei der persönlichen Entfaltung Hilfestellung geben. Dies kann jedoch nur dann geschehen, wenn Grenzen aufgezeigt und Regeln festgelegt werden. Trotzdem sollen auch Freiräume für eigene Erfahrungen gelassen werden, damit die Kinder und Jugendlichen ihre Grenzen erkennen können.

 

2. Wer ist zur Aufsicht verpflichtet?

Die Person, die Verantwortung für eine Gruppe Minderjähriger übernimmt, ist zur Aufsicht verpflichtet. Das heißt, er/sie hat dafür zu sorgen, dass die zu betreuenden Personen nicht zu Schaden kommen, keinen anderen Personen Schaden zufügen und keine Sachen beschädigen.

 

3. Warum und wofür besteht die Aufsichtspflicht?

Die Kinder und Jugendlichen sollen zum einen erzogen werden, was bedeutet, dass man ihnen auf dem Weg zu selbständigen und verantwortungsbewussten Individuen Hilfestellung leisten soll (Erziehungspflicht). Zum anderen ist während dieser Zeit auf das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen zu achten, damit Schäden vermieden werden (Aufsichtspflicht).

 

4. Wer muss beaufsichtigt werden?

Kinder und Jugendliche von Geburt an (Krabbel-Gruppen, Eltern-Kind-Turnen) bis einschließlich 17 Jahre müssen beaufsichtigt werden. Es findet eine Unterteilung in Bezug auf die Mitverantwortlichkeit statt (siehe Punkt 9).

 

5. Wer kann/muss beaufsichtigen?

Die vom Vorstand beauftragten Personen (Trainer, Übungsleiter, Jugendleiter, Gruppenhelfer) sind zur Aufsicht verpflichtet. Aber auch ehrenamtlich tätige Personen (z.B. Eltern, welche eine Gruppe von Kindern zum Wettkampf fährt oder im Fußballverein die Bälle aufpumpen). Auch minderjährige Personen können zur Aufsicht verpflichtet werden, sofern deren Erziehungsberechtigte keine Einwände haben.

 

6. Wann muss beaufsichtigt werden?

Die Kinder und Jugendlichen müssen im Zeitraum des Angebots und gegebenenfalls auch kurz davor und danach beaufsichtigt werden. Nicht abgeholte Kinder dürfen nicht alleine gelassen werden, wenn die Absprache zum Abholen besteht.

 

7. Wie wird die Aufsichtspflicht erfüllt?

Hierfür gibt es leider weder ein Patentrezept noch Vorschriften. Jedoch sollte man als Aufsichtsperson folgende Dinge beherzigen:

 

7.1 Informationen, Kennen der pädagogischen Situation

-          Persönliche Merkmale der Kinder

-          Gruppendynamik

-          Örtliche Umgebung

-          Lernziele

-          Zumutbarkeit für Betreuer, Erfahrung

-          Verhältnis Betreuer ↔ Kinder

 

7.2  Belehrung, Aufklärung, Warnung

-          Hinweis auf Gefahren und Gefährlichkeit bestimmter Situationen

-          Belehrung über Verhaltensweisen

-          Warnung vor Übertreten der Anweisungen (mit plausiblen Erklärungen)

-          Regeln aufstellen und Verbote aussprechen

 

7.3 Leitung, Überwachung, Kontrolle

-          Wo hält sich die Gruppe gerade auf?

-          Was machen die Teilnehmer gerade?

-          Kontinuierlich überprüfen, ob die Anweisungen verstanden wurden

 

7.4 Eingreifen und Durchsetzen

Reaktionen auf nicht befolgte Anweisungen können sein:

-          Verwarnung

-          Einzelgespräch

-          Ausschluss von bestimmten Angeboten

-          Besondere Aufgaben

-          Eltern hinzuziehen

Die Reaktionen sollten stets angemessen sein!

 

8. Wo ist die Aufsichtspflicht für Betreuer geregelt?

Nirgends! Gesetzlich geregelt sind lediglich die Rechtsfolgen von Aufsichtspflichtverletzungen. Wie oben schon erwähnt sind Inhalt und Umfang einer ordnungsgemäßen Aufsichtsführung nicht festgelegt, was zum einen Handlungsunsicherheit hervorrufen kann, zum anderen aber auch einen gewissen Ermessensspielraum lässt.

Allgemein wird empfohlen, sich den zu betreuenden Kindern gegenüber so zu verhalten, wie man es bei eigenen Kindern machen würde.

 

9. Wer haftet für was?

Haftung setzt immer eine Verletzung der Aufsichtspflicht voraus. Falls es zur Anklage kommt, muss der Betreuer einen Entlastungsbeweis liefern, indem er klar macht, dass er alles ihm mögliche zur Erfüllung der Aufsichtspflicht unternommen hat und der Schaden auch bei ordnungsgemäßer Aufsicht und wiederholter Belehrung entstanden wäre.

Als Maßstab für die Rechtsprechung wird zwischen Vorsatz und Fahrlässigkeit unterschieden:

Vorsatz:

die Betreuungsperson nimmt in Kauf, dass Schaden entsteht

(z.B. Kinder bei Tauwetter auf zugefrorenen See schicken)

 

Fahrlässigkeit:

Die erforderliche Sorgfalt wurde außer Acht gelassen

(z.B. Kinder bei Tauwetter auf zugefrorenen See laufen lassen)

Da Heranwachsende mit zunehmendem Alter reifer werden und über einen größeren Erfahrungsschatz sowie eine bessere Selbsteinschätzung verfügen, sind sie mit der Zeit in der Lage, Situationen besser einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Aus diesem Grund können Beaufsichtigte bei entstandenen Schäden folgendermaßen als Mitverantwortliche herangezogen werden:

 

            bis 7 Jahre:                 nicht

            7 bis 10 Jahre             nicht, außer bei Vorsatz (Verkehrsunfälle)

7 bis 18 Jahre             ja, wenn die Person die Einsicht hatte, dass ein Schaden entstehen könnte

Wer letztendlich zur Kasse gebeten wird, richtet sich nach der Schwere der Aufsichtspflichtverletzung. Bei vorsätzlicher Aufsichtspflichtverletzung haftet der Betreuer, wenn fahrlässig gehandelt wurde haftet der Träger der Veranstaltung, d.h. der Verein.

 

10. Die rechtlichen Folgen

Da es keine konkreten Hinweise dafür gibt, wie Aufsichtspflicht auszuführen ist, sind die rechtlichen Folgen meist nicht vorhersehbar. Für die Rechtsprechung werden herangezogen:

-          Zivilrecht (z.B. Schadenersatz)

-          Strafrecht (strafbare Handlungen)

-          Jugendschutzgesetz (Verhalten in der Öffentlichkeit)

-          Sexualstrafrecht (Schutz junger Menschen)

-          Taschengeldparagraph (Geschäfte mit geringen Geldmitteln ohne Zustimmung der Eltern möglich)

 

11. Literaturverzeichnis

Sportjugend Hessen:    "Aufsichtspflicht im Vereinsalltag"; Frankfurt am Main 2004


 

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