Shindenfudo Ryu
Dakentaijutsu Happo Hiken
(Die Schule des unerschütterlichen Herzens)



Überblick Großmeister Aufbau Regeln

Geschichtlicher Überblick

Während der chinesischen T'ang-Dynastie (618-907, Zeittafel Japan) wurden viele Techniken, die später Aufnahme in die Shindenfudo Ryu finden sollten, über Ikai, Tesshin Hogenbo, Tendo Sakabe und Hachiryu Nyudo bis zu Hakuunsai Tozawa weitergegeben.

Die Shindenfudo Ryu wurde Mitte des 12. Jahrhunderts gegründet. Ihr erster Großmeister (Soke) war Izumo Kanja Yoshiteru (ebenfalls Gründer der Kukishinden Ryu). Als eigentlicher Gründer wird des Öfteren auch Hachiman Tamenori Minamoto (der zweite Großmeister der Ryu) angegeben. Grundlegend strukturiert wurde der Stil von Hachiro Tameyoshi Minamoto (dem dritten Großmeister). Dr. Masaaki Hatsumi ist unter anderem der 26. Soke der Shindenfudo Ryu.


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Übersicht über die Großmeister der Shindenfudo Ryû

 
Großmeister
Periode
1.
Izumo, Kanja Yoshiteru (Kumano) Yeikyu (113)
2. Minamoto, Hachiman Tamenari Genyei (118)
3. Minamoto, Hachiro Tameyoshi Hogen (1156)
4. Mizuhara, Kuro Yoshinari Genyku (1204)
5. Mugaibo, Shinnen Tempuku (1233)
6. Ohkuni, Zenhachiro Yoshinobu Bunyie (1264)
7. Hata, Saburo Sasukeyasu ? (?)
8. Kotani, Yuhachiro Nobuchika Geboko (1321 oder 1331)
9. Kaneko, Jinsuke Yoshikyo Shohei (1346)
10. Tajima, Genkoro Nariyoshi Genchu (1384)
11. Kammon, Kokanja Yoshikane Shocho (1428)
12. Kimura, Hozen Kwancho (1460)
13. Ibuki, Yoshihaha Bummei (1469)
14. Otsuka, Hakushi Nyudo Tadamori Yeisho (1506)
15. Otsuka, Daikuro Tadahide Taiyei (1522)
16. Abe, Muga Tensho (1573)
17. Koga, Taro Kyokokaku Tensho (1573)
18. Katayama, Hokinokami Mori Hisayasu Bunroku (1592)
19. Shindo, Unsai Kwanyei (1624-1644)
20. Odagiri, Tohyoe Yoshihiso Kwanyei (1624-1644)
21. Iida, Jubee Tameyoshi Meiwa (1764)
22. Mori, Genroku Masahide Bunkwa (1804)
23. Toyota, Jubei Mitsuyoshi Keiyo (1865)
24. Toda, Shinryuken Masamitsu Meiji (?)
25. Takamatsu, Toshitsugu Taisho (1909)
26. Dr. Hatsumi, Masaaki Showa (1968)
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Der Aufbau der Shindenfudo Ryû

Charakteristisches Kennzeichen der Shindenfudo Ryu sind die harten Schlag-, Stoß- und Tritttechniken, die entfernt den Techniken des Karate bzw. des Kempo oder des Tode ähneln, was unter Umständen darauf zurückzuführen ist, dass der Begründer des Stils selbst ein Meister des Kempo war.

Die Shindenfudo Ryu zerteilt sich in Jutai Jutsu und Dakentai Jutsu. Der Schwerpunkt liegt auf dem Jutai Jutsu, das Nage Waza (Wurftechniken), Ha Jutsu (Entkommen), Gyaku Waza (Gegentechniken), Shime Waza (Würgetechniken), Tori Te (Halten und Umstoßen), Kansetsu Waza (Hebeltechniken) und Osaekomi Waza (Haltetechniken im Boden / Niederdrücken) beinhaltet.

Von einander abweichende Kamae (Kampfstellungen) finden sich nur im Jutaijutsu und nicht im Dakentaijutsu, wo man sich in der Regel in Shizen No Kamae (natürliche Stellung) befindet. Die fünf Kampfstellungen (Goho No Kamae) der Shindenfudo Ryu Jutaijutsu sind:

  1. Fudoza No Kamae (diese Kamae existiert auch in der Kumogakure Ryu);
  2. Hira No Kamae;
  3. Hira Ichimonji No Kamae;
  4. Seigan No Kamae;
  5. Katate Seigan No Kamae.
Das Dakentaijutsu umfasst Uke Waza (Blocktechniken), Uchi Waza (Schlagtechniken), Tsuki Waza (Stoßtechniken), Keri Waza (Tritttechniken) und Nage Waza (Wurftechniken) aus den Bereichen des Kosshi Jutsu (Angriffe gegen Muskeln und Nerven) und des Koppo Jutsu (Knochenbrechertechniken).

An dieser Stelle seien einige Überlegungen zu den beiden Kampfmethoden Kosshijutsu und Koppojutsu angeführt, da es darüber viele Missverständnisse gibt. Kosshijutsu und Koppojutsu sind streng genommen keine Unterteilungen des Dakentaijutsu, sondern stellen vielmehr Kampfprinzipien dar. Daher ist es im Grunde genommen unpräzise, Kosshijutsu verallgemeinernd als die «Kunst des Muskel- und Nervenangriffs» und Koppojutsu simplifizierend als die «Kunst des Knochenbrechens» zu bezeichnen. Im Kosshijutsu der Gyokko Ryu beispielsweise werden bevorzugt Finger- und Handtechniken in einem Winkel von 45° Grad gegen die Kyusho (lebenswichtigen Stellen des menschlichen Körpers [die heute im Bujinkan verwandten Kyushu-Bezeichnungen entstammen der Koto Ryu Koppojutsu]) des Körpers ausgeführt. Es gibt jedoch in der Gyokko Ryu eine Reihe von Kata, die gegen nicht im klassischen Sinne «weiche» Angriffsziele des menschlichen Körpers vorgehen. Ausschlaggebend für eine Typisierung des Kosshijutsu ist daher vielmehr die Art und Weise des Angriffs (in der Gyokko Ryu resultiert die Kraft des Angriffs aus rotierenden Drehbewegungen des ganzen Körpers und aus dem Einsatz des Rückgrades) und die eingesetzte (natürliche) Waffe. Kosshijutsu kann auch als die Fähigkeit verstanden werden, einen Gegner mit nur einem Finger niederzustrecken. Kosshi steht somit für den Archetypus jeglicher Kampfkunst.

Die Techniken des Koppojutsu beruhen auf der genauen Kenntnis der menschlichen Skelettstruktur (Kohtsu Po), die bevorzugt unter Einsatz des gesamten Bewegungsmoments angegriffen wird. Im Koppojutsu erfolgen die Angriffe sowohl in einem Winkel von 45° Grad gegen die Kyushu-Punkte als auch in einem Winkel von 90° Grad gegen die Knochen.

Kosshijutsu- und Koppojutsu-Techniken werden demnach nicht nur in zum Teil denselben Winkeln sondern auch gegen identische Angriffsziele des menschlichen Körpers ausgeführt. Ausschlaggebend für eine Unterscheidung dieser beiden Kampfmethoden /-prinzipien ist daher das WIE und das WOMIT.

Aber auch in Bezug auf eine Unterscheidung von Dakentaijutsu und Jutaijutsu herrscht oftmals Unklarheit. Dakentaijutsu wird nicht ausschließlich gegen Schläge und Tritte und Jutaijutsu nicht nur gegen Griff- und Wurftechniken angewandt. Dakentaijutsu und Jutaijutsu sind vielmehr beides Kampfmethoden gegen jede Art von Angriff (unabhängig von der Art des Angriffs)!

Dakentaijutsu meint im Grunde genommen, dass man den Gegner «niederschlägt», d.h. man schlägt den Gegner mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln so hart, lange und oft, bis er zu Boden geht. Während des Fallens schlägt man weiter auf ihn ein und selbst am Boden setzt man dies gegebenenfalls fort, bis sein Kampfeswille oder aber sein Körper «zerstört» ist. Dakentaijutsu enthält nicht nur Schlagtechniken, sondern auch viele Arten von Würfen. Das Dakentaijutsu besteht in diesem Fall in der Wurfart bzw. noch konkreter in der Ausführung eines Wurfes. Man kann auch mit einem Wurf einen Gegner derart auf den Boden schmettern, dass er endgültig «zerstört» ist.

Im Jutaijutsu zieht man einen Nutzen daraus, dass der Gegner kein Ukemi / Kaiten beherrscht. Alle Hebel, Würfe usw. erzielen den größten Effekt dadurch, dass ein ungeübter Gegner hart auf den Boden fällt bzw. gegen irgendein Hindernis (Baum, Wand, Möbel, Auto usw.) stößt und sich in beiden Fällen dadurch entweder gravierende Verletzungen zufügt oder aber zumindest derart mit dem Versuch, den Fall / Sturz zu mindern, beschäftigt ist, dass währenddessen oder unmittelbar in Folge darauf angewandte Techniken gegen ihn zum Erfolg führen.

Nachfolgend sind sechzehn grundlegende Schlag- bzw. Stoßmöglichkeiten (Hoken Juroppo Ken) aufgelistet, die auch in der Shindenfudo Ryu Verwendung finden:

  1. Kikaku Ken (Zu-tsuki): Kopfstoß
  2. Shuki Ken: Ellbogenstoß
  3. Fudo Ken (Kongo-ken): Unbewegliche Faust
  4. Kiten Ken (Shuto): Handkantenschlag
  5. Shishin Ken: Fingernadelstoß
  6. Shitan Ken: Knöchelfauststoß
  7. Shako Ken: Krallenschlag
  8. Shito Ken (Boshi-ken): Daumenfauststoß bzw. «Fingerschwert»
  9. Shikan Ken (Hiso-ken): «Geheime» Speerfaust
  10. Koppo Ken: Knöchelschlag
  11. Happa Ken: Schlag mit den Handflächen bzw. «Blätterschlag»
  12. Sokuyaku Ken: Fersentritt
  13. Sokki Ken: Kniestoß
  14. Sokushi Ken: Zehenstoß
  15. Tai Ken: Körper als Waffe
  16. Shizen Ken: Natürliche Waffen
Soke Dr. Masaaki Hatsumi merkt zu den im Bujinkan verwandten Kampftechniken folgendes an: «Die grundlegende Nahkampfmethode der Ninja war Tai-jutsu, manchmal auch Koshi-jutsu genannt, manchmal Dakentai-jutsu oder Yawara, oder sogar Ju-jutsu. Die Bezeichnungen wechselten und veränderten sich im Laufe der Jahre. Manchmal nannte man sie Koshi-jutsu oder Koppo-jutsu oder einfach Te. Der grundlegende Kern also war Tai-jutsu. Und nachdem sie Tai-jutsu gemeistert hatten, lernten sie, die spezifischen Waffen ihres Stils oder Systems anzuwenden. Im Tai-jutsu- Training jeder spezifischen Tradition mag es geringe Unterschiede in den Körperhaltungen oder den Namen bestimmter Schläge geben, müsste ich diese jedoch Technik für Technik einteilen, wäre das jetzt eine enorme Aufgabe.»

Das wichtigste Prinzip der Shindenfudo Ryu ist die Wahrung der Natürlichkeit (das Befolgen natürlicher Prinzipien). Eine Empfehlung lautet dahingehend, dass man oft in der freien Natur unter Ausnutzung aller natürlichen Gegebenheiten (Bäume, Steine usw.) trainieren sollte. Die defensive Kampfeshaltung und -weise des Stils resultiert aus einer grundsätzlich defensiven und dadurch äußerst wachsamen Geisteshaltung.

Shindenfudo Ryu beinhaltet die Waffentechniken Naginata Jutsu (Hellebardentechniken), Yari Jutsu (Speertechniken), Kenjutsu (Schwerttechniken), Ono Jutsu (Techniken mit der Kriegsaxt) und O Tsuchi Jutsu (Techniken mit dem «Kriegshammer») sowie in Verbindung zum Tai Jutsu (unbewaffneter Kampf) Hojo Jutsu, d.h. die Kunst des Fesselns.

Als Spezialtechniken der Shindenfudo Ryu gelten wie bereits erwähnt die Jutai Jutsu-Techniken sowie weiterhin Iai Jutsu-Techniken (die Kunst des Schwertziehens und -schneidens).

 

Techniken

Im folgenden sind die Kata der Shindenfudo Ryu aus den beiden Bereichen Jutai Jutsu und Dakentai Jutsu aufgelistet.
 

Shindenfudo Ryu Jutaijutsu

Shoden No Kata

  1. Kata Mune Dori
  2. Gyaku Kata Mune Dori
  3. Ude Ori
  4. Matsu Kaze
  5. Ryu Ko
  6. Gedan Gake
  7. Ude Ori
  8. Kyu In
  9. Kimon Dori
  10. Jinchu Nage
  11. Koromo Kaeshi
  12. Saka Otoshi
  13. Satani Nage
  14. Katate Otoshi
  15. Gyaku Nage
  16. Gokuraku Otoshi

Chuden No Kata

  1. Fu Setsu
  2. Tama Otoshi
  3. Ugo
  4. Randori
  5. Tsuki No Wa
  6. Kocho Dori
  7. Kasa Harai
  8. Kakusei
  9. Kasumi Gake
  10. Ryo Yoku
  11. Utsushi Dori

Okuden Kata

  1. Hyo Fu
  2. Gosha Dori
  3. Te Ate
  4. Kari Shimo
  5. Tatsu Maki
  6. Furoya Nage
  7. Yama Arashi
  8. Bai Setsu

Shindenfudo Ryu Dakentaijutsu

Ten No Kata

  1. Nichi Geki
  2. Gekkan
  3. Fubi
  4. Uryu
  5. Unjaku
  6. Setsuyaku
  7. Musan
  8. Karai
Da das Kata «Mu San» («Nebel erzeugen») viele elementare Kampfprinzipien der Shindenfudo Ryu in sich vereint, ist dieses Kata stellvertretend als einziges Kata nachfolgend etwas umfangreicher vorgestellt. Richtig angewandt, wird der Gegner bei dieser Form beständig aus dem körperlichen und seelischen Gleichgewicht gebracht, d.h. er verliert sich im «Nebel». Je mehr er versucht, die Initiative wiederzuerlangen, desto hilfloser und verletzbarer wird er. Die Grundform dieses Kata sieht wie folgt aus: der Angreifer greift mit Migi Gedan Tsuki an. Der Verteidiger geht in aggressiver Form (Feuerelement) in den Angriff hinein, wobei er dem angreifenden Arm leicht zu seiner rechten Seite hin ausweicht. Er blockt den Arm mit Shako Ken (hierbei handelt es sich weniger um einen Block, der den Arm völlig abwehren soll, als vielmehr um einen schmerzhaften Angriff, der den Gegner von dem nun folgenden ablenkt) und sticht mit der rechten Hand (Shitanken) zu den Augen des Gegners. Nun drückt er den rechten Arm des Gegners nach oben, und dreht sich unter diesem von innen nach außen durch, so dass er hinter dem Angreifer zu stehen kommt. Darauf streckt er den rechten Arm des Gegners und führt mit rechts einen vertikalen Ellenbogenstoß (Shuki Ken) gegen dessen Ellenbogengelenk aus, um ihn nach hinten und nach unten zu Fall zu bringen.
 

Chi No Kata

  1. Riken
  2. Shinken
  3. Raiken
  4. Henkyo
  5. Issen
  6. Akuken
  7. Kenkou
  8. Suiryu

Shinzenshigokuno Kata

  1. Tai Nagashi
  2. Kobushi Nagashi
  3. Fu Batsu
  4. Ryote Gake
  5. Routo
  6. Fudo
  7. Ugari
  8. Fu Kan
  9. Kasasagi
  10. Suzu Otoshi
  11. Kasumi Otoshi
  12. Shizen

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Die Regeln der Shindenfudo Ryû

Am Eingang zu Shinryuken Masamitsu Toda Senseis (dem 24. Großmeister der Shindenfudo Ryu) Dojo war eine Reihe von Vorschriften angebracht, welche die Schüler beachten mussten:
  1. Sei dir stets bewusst, dass die Geduld an erster Stelle kommt.
  2. Sei tugendhaft und gerecht.
  3. Vergiss deine Wünsche und Deinen Hochmut.
  4. Kenne die natürlichen Prinzipien Buße und Wahrheit.
  5. Wahre stets in deinem Herzen gemäß dem Prinzip des «unerschütterlichen Herzens» Ausgeglichenheit und Frieden.
  6. Verfolge Loyalität sowie Nächstenliebe und bleibe auf dem Weg des Bushi.


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