Folgender Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung des GERHARD SCHÖNBERGER VERLAGS (GSV) aus der Zeitschrift Budo-Sport in Hessen 2/95, S. 64-67 (ISSN 0947-7675) entnommen.

Aktualisiert und gekürzt von Roger Westerweller (3.Dan)                        Stand 2006

Der Erste Deutsche Judo-Club Frankfurt am Main:

Tradition verpflichtet

von Dr. Andrea Schlosshan

Der Erste Deutsche Judo-Cub (1. DJC), eine Wiege des europäischen Judo- und Budosports, gab dem deutschen und europäischen Judo und Jiu-Jitsu im Laufe seiner langen Vereinsgeschichte viele positive Impulse. Einer der Mitbegründer des am 10. Oktober 1922 gegründeten Vereins - erster Präsident war der Architekt Willi Lutz -, war der erste Jiu-Jitsu- und Judo-Trainer Alfred Rhode. Er rief die Frankfurter Judo-Sommerschule ins Leben, vor dem Krieg wurde 1932 in Frankfurt am Main der Deutsche Judo-Ring und die Europäische Judo-Union (Vizepräsident der EJU wurde Friedrich Brehm vom 1. DJC, welcher den Verein unter anderem durch die Kriegswirren führen sollte) gegründet. Lange Jahre war mit Edgar Schäfer, von 1954-1958 Vizepräsident der nach dem Krieg wiederbegründeten EJU, der Präsident des 1. DJC auch Präsident des Deutschen Judo Bundes (DJB) und des Hessischen Judo Verbandes (HJV, bis 1989). Ihm stand nach dem Krieg Alfred Rhode als Vizepräsident des 1. DJC zur Seite. Die erste Deutsche Meisterschaft nach dem Krieg wurde 1952 vom 1. DJC ausgerichtet. In der Vergangenheit wurde vor allem der Judo-Leistungssport - etwas zu Lasten der anderen Budosportarten und der BreitensportlerInnen - gefördert. So hat der 1. DJC im Laufe seiner Geschichte eine Reihe von Deutschen Meistern hervorgebracht. Seine Kämpferinnen und Kämpfer haben viele Titel errungen und der Verein war jahrzehntelang in der Bundesliga mit einer Mannschaft vertreten. Eine in dieser Hinsicht besonders erfolgreiche Phase waren die 60er Jahre, in denen der 1. DJC zweimal Deutscher Mannschaftsmeister und zweimal Vizemeister wurde. Allein in den Jahren 1963 und 1964 stellte der Verein sechs Deutsche Meister in jedem Jahr. Zu den erfolgreichsten Judoka, die aus dem 1. DJC hervorgegangen sind, zählen der langjährige Bundestrainer des DJB, Heiner Metzler (8. Dan Judo) und der jetzige Präsident des 1. Judo-Clubs Niederdorfelden, Rüdiger Kotte (5. Dan Judo), die wie auch Anton Geesink und DJB-Bundestrainer Han Ho San unter anderen, beide Ehrenmitglieder des Frankfurter Traditionsvereins sind, der wohl wie kein anderer Verein in Deutschland in die deutsche und europäische Judo- und Budo-Geschichte eingegangen ist. Auch der langjährige erste Vorsitzende der Landesgruppe Hessen des Deutschen Dan-Kollegiums (DDK), Frank Thiele (8. Dan Judo), der sich wie kein anderer um das Prüfungswesen in Hessen verdient gemacht hat, stammt aus dem 1. DJC, ebenso wie viele andere, die im Laufe der Zeit über ganz Deutschland Vereine gründeten oder in Verbandsfunktionen dem Judosport dienten. Die Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Vereins unterscheidet zwischen Dan-Trägern, die 1972 noch im Verein tätig waren (Alfred Rhode, Edgar Schäfer, Leo Köhler, Frank Thiele, Fred Schreiber, Renee Friese, Oskar Gerlach, Rüdiger Kotte, Jupp Lappas, Dr. Walter Michel, Otto Rachhals, Rudolf Vehling, Waltraud Beitz, Philip und Horst Breitstadt, Helmut Dunczewski, Klaus Grosche, Dr. Hänel, Ted Herold, Gisbert Heuser, Otto Jansen, Wolfgang Kluge, Gerhard Kohlmann, Karlheinz Menke, Sloboda Petkovic, v. Rauchhaupt, Klaus Raupach, Ralph Schipp, Rolf Schubert, Hans und Karl Seyfried, Michael Vaupel) und Dan-TrägerInnen, die aus dem

1. DJC hervorgegangen waren und ihren Wohnsitz damals in eine andere Stadt verlegt hatten (Heiner Metzler, R. de Smeet, Hans Wittmeier, Franz Fischer, Norbert Buhl, Wolf Dieter Paetsch, Walter Becker, Helmut Eck, Willi Kochem, O. Hentzner, Dieter Baumann, Hans Eckert, Willi Hartmann, Rainer Hofmann, Frau Karthaus, Uwe Lichtenhofer, Dieter Müller, Hans Rotter, Siegfried Ulfig, Hans Willmann).

Bereits Ende der achtziger Jahre zeichnete sich ab, dass ein relativ «kleiner» Verein mit knapp 500 Mitgliedern, der nicht auf Sponsoren zurückgreifen kann, sich aus Kostengründen entscheiden muss, ob er den Leistungssportbereich zuungunsten der BreitensportlerInnen im früheren Umfang aufrechterhält oder aber beträchtlich reduziert. Die Entscheidung fiel zugunsten des Breitensports. Anfang 1990 begann eine Phase der Umorganisation des Vereins zu einem Budosportverein mit gleichberechtigten Abteilungen. Dies sind zurzeit Hapkido, Judo, Nindokai, Karate, Kendo und Ninjutsu. Eine Aikido- und T’ai-Chi-Ch’uan-Abteilung wurden vorübergehend in Ermangelung einer qualifizierten/m TrainerIn eingestellt, sollen aber wieder aufgenommen werden. Auch an die Einrichtung einer Abteilung für Jiu-Jitsu wird gedacht.

Gesunder und Gesundheitserhaltender Breitensport sowie die Förderung des Budosportgedankens insbesondere bei Kindern und Jugendlichen und in der Öffentlichkeit stehen im Vordergrund. Verschiedene Frauenförderungsmaßnahmen wurden eingeleitet, das Amt einer Frauenbeauftragten (mit weitreichenden Kompetenzen) wurde in der Vereinssatzung verankert. Die Finanzierung des Leistungssportbereichs wurde von den Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen für BreitensportlerInnen abgekoppelt, da nicht einzusehen ist, weshalb die BreitensportlerInnen das Privatvergnügen der LeistungsportlerInnen überproportional

mitfinanzieren sollen.

Der ehemalige französische Nationaltrainer für Judo der Damen-Mannschaft, Prof. Dr. Dr. Alain Cartigny (Angers, 5. Dan Judo, 6. Dan Jiu-Jitsu, 1. Dan Kendo), konnte als hauptamtlicher Trainer unter Vertrag genommen werden. Dies war - ohne Zuschüsse des Landessportbunds Hessen oder des HJV, welcher unser Angebot ausgeschlagen hat, Herrn Dr. Cartigny dem HJV kostenlos für die Betreuung des weiblichen HJV-Kaders zur Verfügung zu stellen - bei einem monatlichen einheitlichen Mitgliedsbeitrag von damals 30 DM für alle aktiven Mitglieder, die dafür das gesamte Vereinsangebot in allen Budosportarten (wöchentlich fast vierzig verschiedene Trainingstermine für alle Altersgruppen) nach Belieben nutzen dürfen, gerade noch bezahlbar, dank einer Vereinsstruktur, die aufwendige Spesenausgaben für den Vorstand nicht zulässt. Damit konnte einer der qualifiziertesten europäischen Judotrainer, welcher seit vielen Jahren auch vom DDK und DJB unter anderen als Sommerschultrainer eingesetzt wird, nach Hessen geholt werden. Der polyglotte Franzose spricht neben Deutsch, Englisch und natürlich Französisch auch fließend Japanisch und dolmetscht des Öfteren zwischen beiden Sprachen, wenn Japaner zu Besuch in Deutschland sind. Leider verließ Prof. Dr. Dr. Alain Cartigny nach drei Jahren den 1. DJC und ging zurück nach Frankreich.

Mit anderen Vereinen des Großraums Frankfurt am Main bestehen im Judo-Bereich Trainings- und Wettkampfgemeinschaften. Breitensportlich orientierte Lehrgänge in einzelnen Budosportarten ergänzen das Vereinsangebot. Öffentliche Vorführungen - Budo-Tage - sollen für die Budo-Sportarten in der Öffentlichkeit werben. Einige Bücher der Trainer des 1. DJC zu verschiedenen Budosportarten (Hapkido, Karate, Kobudo, Ninjutsu, Judo) sollen interessierten Leserinnen und Lesern und vor allem der Sportwissenschaft auch theoretische Grundlagen vermitteln.

Gesundheitsschädlichen Leistungssport für noch nicht ausgewachsene Kinder sowie exzessiven Leistungssport für Jugendliche und Erwachsene lehnt der moderne 1. DJC ab. Es ist unserer Meinung nach nicht so wichtig, dass ein Verein einen Pokal erhält, sondern dass gesunde Sportler mit viel Freude auf ihrem Lebensweg die Budo-Idee verwirklichen und auch im Alter noch in der Lage sind, Sport zu betreiben. Insbesondere den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern fühlt der 1. DJC sich diesbezüglich verpflichtet und spricht sich immer dagegen aus, leichtfertig deren Gesundheit und Wohlergehen für vergängliche sportliche Erfolge aufs Spiel zu setzen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Der 1. DJC lehnt keineswegs den Leistungssport als solchen ab, ist aber bemüht, den Leistungssport wieder mit dem Budo-Gedanken und mit den modernen sportmedizinischen Erkenntnissen in Einklang zu bringen. Dass die meisten Judo-Vereine in Hessen überwiegend jugendliche Mitglieder haben, liegt auch daran, dass die älteren Judoka entweder «verbraucht» sind oder aber sich für zu alt halten, um noch an Wettkämpfen teilzunehmen, als ob die Teilnahme am «Shiai» einziger Sinn und Zweck des Judo wäre. Der 1. DJC richtet sich lieber an der Tradition des Kodokan in Japan, der ersten und maßgeblichen Judo-Schule in der Welt, und an der Tradition des Deutschen Dan-Kollegiums aus. Dem Kata-Unterricht der traditionellen Kodokan-Kata wird großer Wert beigemessen.

Zweitgrößte Abteilung des Vereins ist die Abteilung Ninjutsu, welche mehr als 60 Mitglieder, darunter 17 Dan-TrägerInnen, zählt. Die Ninjutsuka sind auch im weltweiten Bujinkan Dojo organisiert, das von Soke Dr. Masaaki Hatsumi (Japan) geleitet wird. Für Hapkido ist der Präsident des 1. Hessischen Hapkido-Clubs, welcher im 1. DJC auch Abteilungsleiter und Trainer für Hapkido ist, zuständig. Der Vizepräsident des 1. DJC ist für Nindokai zuständig. Zudem war er lange Jahre im Ninjutsu aktiv. Für die Abteilung Kendo ist der 2. Vorsitzende der Landesgruppe Hessen des DDK e.V. zuständig, welcher außerdem auch im Judo aktiv ist. Die Kendo-Abteilung ist Mitglied im Hessischen Kendo-Verband e.V.

Da die Stadt Frankfurt am Main seit 1994 Hallenmieten für die Nutzung städtischer Turnhallen verlangt - wie auch andere Frankfurter Vereine hat der 1. DJC kein eigenes Dojo, seit die Stadt in den 60er Jahren das Vereinsdojo neben dem Stadtbad Mitte im Zuge von Bauarbeiten abreißen ließ -, hatte der 1. DJC allein im Jahr 1994 22500 DM an Hallenmieten zu zahlen. Zudem ist die Tendenz der Hallenkosten steigend, besonders da die Mietkosten im Sommer 2003 angehoben wurden, sodass eine koordinierte und Zielgerichtete Vorstandsarbeit mehr denn je gefordert ist.

Der 15 Personen umfassende Vereinsvorstand arbeitet auf ehrenamtlicher Basis. Alle wichtigen Entscheidungen werden im Vorstand abgesprochen und beschlossen. Für die Entscheidungsfindung ist es nicht wichtig, wer welches Amt bekleidet, da jedes Vorstandsmitglied gleiches Gewicht und gleichen Einfluss hat.

Von Montag bis Freitag (leider wurden unsere Trainingsstätten am Samstag inzwischen alle geschlossenen bzw. abgerissen) finden an jedem Tag Trainingseinheiten in den verschiedenen Budosportarten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 19,50 Euro. Bei Eintritt wird eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 39,00 Euro erhoben. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage www.1djc.de. Bei weiteren Fragen gibt Ihnen unser Pressewart gerne weitere Auskünfte unter webmaster@1djc.de (Bitte geben Sie als Betreff „1.DJC“ ein, damit Ihre Nachricht nicht ungeöffnet gelöscht wird. Zudem muss aus der Adresse das Wort „falsch“ entfernt werden. Dieser Zusatz schützt uns vor unerwünschter Werbung).

 


 

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