Der Erste Deutsche Judo-Club
Frankfurt am Main:

Tradition verpflichtet
von Dr. Andrea Schlosshan
Der Erste Deutsche Judo-Cub (1. DJC), eine Wiege des
europäischen Judo- und Budosports, gab dem deutschen und
europäischen Judo und Jiu-Jitsu im Laufe seiner langen Vereinsgeschichte
viele positive Impulse. Einer der Mitbegründer des am 10. Oktober 1922
gegründeten Vereins - erster Präsident war der Architekt Willi Lutz
-, war der erste Jiu-Jitsu- und Judo-Trainer Alfred Rhode. Er rief die
Frankfurter Judo-Sommerschule ins Leben, vor dem Krieg wurde 1932 in
Frankfurt am Main der Deutsche Judo-Ring und die Europäische Judo-Union
(Vizepräsident der EJU wurde Friedrich Brehm vom 1. DJC, welcher den
Verein unter anderem durch die Kriegswirren führen sollte)
gegründet. Lange Jahre war mit Edgar Schäfer, von 1954-1958 Vizepräsident
der nach dem Krieg wiederbegründeten EJU, der Präsident des 1. DJC
auch Präsident des Deutschen Judo Bundes (DJB) und des Hessischen Judo
Verbandes (HJV, bis 1989). Ihm stand nach dem Krieg Alfred Rhode als
Vizepräsident des 1. DJC zur Seite. Die erste Deutsche Meisterschaft
nach dem Krieg wurde 1952 vom 1. DJC ausgerichtet. In der Vergangenheit wurde
vor allem der Judo-Leistungssport - etwas zu Lasten der anderen
Budosportarten und der BreitensportlerInnen - gefördert. So hat der 1.
DJC im Laufe seiner Geschichte eine Reihe von Deutschen Meistern
hervorgebracht. Seine Kämpferinnen und Kämpfer haben viele Titel
errungen und der Verein war jahrzehntelang in der Bundesliga mit einer
Mannschaft vertreten. Eine in dieser Hinsicht besonders erfolgreiche Phase
waren die 60er Jahre, in denen der 1. DJC zweimal Deutscher
Mannschaftsmeister und zweimal Vizemeister wurde. Allein in den Jahren 1963
und 1964 stellte der Verein sechs Deutsche Meister in jedem Jahr. Zu den
erfolgreichsten Judoka, die aus dem 1. DJC hervorgegangen sind, zählen
der langjährige Bundestrainer des DJB, Heiner Metzler (8. Dan Judo) und
der jetzige Präsident des 1. Judo-Clubs Niederdorfelden, Rüdiger
Kotte (5. Dan Judo), die wie auch Anton Geesink und DJB-Bundestrainer Han Ho
San unter anderen, beide Ehrenmitglieder des Frankfurter Traditionsvereins
sind, der wohl wie kein anderer Verein in Deutschland in die deutsche und
europäische Judo- und Budo-Geschichte eingegangen ist. Auch der
langjährige erste Vorsitzende der Landesgruppe Hessen des Deutschen Dan-Kollegiums
(DDK), Frank Thiele (8. Dan Judo), der sich wie kein anderer um das
Prüfungswesen in Hessen verdient gemacht hat, stammt aus dem 1. DJC,
ebenso wie viele andere, die im Laufe der Zeit über ganz Deutschland
Vereine gründeten oder in Verbandsfunktionen dem Judosport dienten. Die
Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Vereins unterscheidet
zwischen Dan-Trägern, die 1972 noch im Verein tätig waren (Alfred
Rhode, Edgar Schäfer, Leo Köhler, Frank Thiele, Fred Schreiber,
Renee Friese, Oskar Gerlach, Rüdiger Kotte, Jupp Lappas, Dr. Walter
Michel, Otto Rachhals, Rudolf Vehling, Waltraud Beitz, Philip und Horst
Breitstadt, Helmut Dunczewski, Klaus Grosche, Dr. Hänel, Ted Herold,
Gisbert Heuser, Otto Jansen, Wolfgang Kluge, Gerhard Kohlmann, Karlheinz
Menke, Sloboda Petkovic, v. Rauchhaupt, Klaus Raupach, Ralph Schipp, Rolf
Schubert, Hans und Karl Seyfried, Michael Vaupel) und Dan-TrägerInnen,
die aus dem
1. DJC hervorgegangen waren und ihren Wohnsitz damals in
eine andere Stadt verlegt hatten (Heiner Metzler, R. de Smeet, Hans
Wittmeier, Franz Fischer, Norbert Buhl, Wolf Dieter Paetsch, Walter Becker,
Helmut Eck, Willi Kochem, O. Hentzner, Dieter Baumann, Hans Eckert, Willi
Hartmann, Rainer Hofmann, Frau Karthaus, Uwe Lichtenhofer, Dieter
Müller, Hans Rotter, Siegfried Ulfig, Hans Willmann).
Bereits Ende der achtziger Jahre zeichnete sich ab, dass ein relativ
«kleiner» Verein mit knapp 500 Mitgliedern, der nicht auf
Sponsoren zurückgreifen kann, sich aus Kostengründen entscheiden
muss, ob er den Leistungssportbereich zuungunsten der BreitensportlerInnen im
früheren Umfang aufrechterhält oder aber beträchtlich
reduziert. Die Entscheidung fiel zugunsten des Breitensports. Anfang 1990
begann eine Phase der Umorganisation des Vereins zu einem Budosportverein mit
gleichberechtigten Abteilungen. Dies sind zurzeit Hapkido, Judo, Nindokai,
Karate, Kendo und Ninjutsu. Eine Aikido- und T’ai-Chi-Ch’uan-Abteilung
wurden vorübergehend in Ermangelung einer qualifizierten/m TrainerIn
eingestellt, sollen aber wieder aufgenommen werden. Auch an die Einrichtung
einer Abteilung für Jiu-Jitsu wird gedacht.
Gesunder und Gesundheitserhaltender Breitensport sowie die
Förderung des Budosportgedankens insbesondere bei Kindern und
Jugendlichen und in der Öffentlichkeit stehen im Vordergrund.
Verschiedene Frauenförderungsmaßnahmen wurden eingeleitet, das Amt
einer Frauenbeauftragten (mit weitreichenden Kompetenzen) wurde in der
Vereinssatzung verankert. Die Finanzierung des Leistungssportbereichs wurde
von den Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen für BreitensportlerInnen
abgekoppelt, da nicht einzusehen ist, weshalb die BreitensportlerInnen das
Privatvergnügen der LeistungsportlerInnen überproportional
mitfinanzieren sollen.
Der ehemalige französische Nationaltrainer für Judo der
Damen-Mannschaft, Prof. Dr. Dr. Alain Cartigny (Angers, 5. Dan Judo, 6. Dan
Jiu-Jitsu, 1. Dan Kendo), konnte als hauptamtlicher Trainer unter Vertrag
genommen werden. Dies war - ohne Zuschüsse des Landessportbunds Hessen
oder des HJV, welcher unser Angebot ausgeschlagen hat, Herrn Dr. Cartigny dem
HJV kostenlos für die Betreuung des weiblichen HJV-Kaders zur
Verfügung zu stellen - bei einem monatlichen einheitlichen
Mitgliedsbeitrag von damals 30 DM für alle aktiven Mitglieder, die
dafür das gesamte Vereinsangebot in allen Budosportarten
(wöchentlich fast vierzig verschiedene Trainingstermine für alle
Altersgruppen) nach Belieben nutzen dürfen, gerade noch bezahlbar, dank
einer Vereinsstruktur, die aufwendige Spesenausgaben für den Vorstand
nicht zulässt. Damit konnte einer der qualifiziertesten
europäischen Judotrainer, welcher seit vielen Jahren auch vom DDK und
DJB unter anderen als Sommerschultrainer eingesetzt wird, nach Hessen geholt
werden. Der polyglotte Franzose spricht neben Deutsch, Englisch und
natürlich Französisch auch fließend Japanisch und dolmetscht
des Öfteren zwischen beiden Sprachen, wenn Japaner zu Besuch in
Deutschland sind. Leider verließ Prof. Dr. Dr. Alain Cartigny nach drei
Jahren den 1. DJC und ging zurück nach Frankreich.
Mit anderen Vereinen des Großraums Frankfurt am Main bestehen im
Judo-Bereich Trainings- und Wettkampfgemeinschaften. Breitensportlich
orientierte Lehrgänge in einzelnen Budosportarten ergänzen das
Vereinsangebot. Öffentliche Vorführungen - Budo-Tage - sollen
für die Budo-Sportarten in der Öffentlichkeit werben. Einige
Bücher der Trainer des 1. DJC zu verschiedenen Budosportarten (Hapkido,
Karate, Kobudo, Ninjutsu, Judo) sollen interessierten Leserinnen und Lesern
und vor allem der Sportwissenschaft auch theoretische Grundlagen vermitteln.
Gesundheitsschädlichen Leistungssport für noch nicht
ausgewachsene Kinder sowie exzessiven Leistungssport für Jugendliche und
Erwachsene lehnt der moderne 1. DJC ab. Es ist unserer Meinung nach nicht so
wichtig, dass ein Verein einen Pokal erhält, sondern dass gesunde
Sportler mit viel Freude auf ihrem Lebensweg die Budo-Idee verwirklichen und
auch im Alter noch in der Lage sind, Sport zu betreiben. Insbesondere den
Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern fühlt der 1. DJC sich
diesbezüglich verpflichtet und spricht sich immer dagegen aus,
leichtfertig deren Gesundheit und Wohlergehen für vergängliche
sportliche Erfolge aufs Spiel zu setzen. Um keine Missverständnisse
aufkommen zu lassen: Der 1. DJC lehnt keineswegs den Leistungssport als solchen
ab, ist aber bemüht, den Leistungssport wieder mit dem Budo-Gedanken und
mit den modernen sportmedizinischen Erkenntnissen in Einklang zu bringen.
Dass die meisten Judo-Vereine in Hessen überwiegend jugendliche
Mitglieder haben, liegt auch daran, dass die älteren Judoka entweder
«verbraucht» sind oder aber sich für zu alt halten, um noch
an Wettkämpfen teilzunehmen, als ob die Teilnahme am «Shiai»
einziger Sinn und Zweck des Judo wäre. Der 1. DJC richtet sich lieber an
der Tradition des Kodokan in Japan, der ersten und maßgeblichen
Judo-Schule in der Welt, und an der Tradition des Deutschen Dan-Kollegiums
aus. Dem Kata-Unterricht der traditionellen Kodokan-Kata wird großer
Wert beigemessen.
Zweitgrößte Abteilung des Vereins ist die
Abteilung Ninjutsu, welche mehr als 60 Mitglieder, darunter 17 Dan-TrägerInnen, zählt. Die Ninjutsuka sind
auch im weltweiten Bujinkan Dojo organisiert, das von Soke Dr. Masaaki
Hatsumi (Japan) geleitet wird. Für Hapkido
ist der Präsident des 1. Hessischen Hapkido-Clubs, welcher im 1. DJC
auch Abteilungsleiter und Trainer für Hapkido ist, zuständig. Der
Vizepräsident des 1. DJC ist für Nindokai
zuständig. Zudem war er lange Jahre im Ninjutsu aktiv. Für die
Abteilung Kendo ist der 2. Vorsitzende der Landesgruppe Hessen des DDK e.V.
zuständig, welcher außerdem auch im Judo
aktiv ist. Die Kendo-Abteilung ist Mitglied im Hessischen Kendo-Verband e.V.
Da die Stadt Frankfurt am Main seit 1994 Hallenmieten für die Nutzung
städtischer Turnhallen verlangt - wie auch andere Frankfurter Vereine
hat der 1. DJC kein eigenes Dojo, seit die Stadt in den 60er Jahren das
Vereinsdojo neben dem Stadtbad Mitte im Zuge von Bauarbeiten abreißen
ließ -, hatte der 1. DJC allein im Jahr 1994 22500 DM an Hallenmieten
zu zahlen. Zudem ist die Tendenz der Hallenkosten steigend, besonders da die
Mietkosten im Sommer 2003 angehoben wurden, sodass eine koordinierte und
Zielgerichtete Vorstandsarbeit mehr denn je gefordert ist.
Der 15 Personen umfassende Vereinsvorstand arbeitet auf ehrenamtlicher
Basis. Alle wichtigen Entscheidungen werden im Vorstand abgesprochen und
beschlossen. Für die Entscheidungsfindung ist es nicht wichtig, wer welches
Amt bekleidet, da jedes Vorstandsmitglied gleiches Gewicht und gleichen
Einfluss hat.
Von Montag bis Freitag (leider wurden unsere
Trainingsstätten am Samstag inzwischen alle geschlossenen bzw.
abgerissen) finden an jedem Tag Trainingseinheiten in den verschiedenen
Budosportarten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt. Der monatliche Mitgliedsbeitrag liegt bei 19,50 Euro.
Bei Eintritt wird eine einmalige Aufnahmegebühr in Höhe von 39,00
Euro erhoben. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage www.1djc.de. Bei weiteren Fragen gibt Ihnen
unser Pressewart gerne weitere Auskünfte unter webmaster@1djc.de (Bitte geben Sie
als Betreff „1.DJC“ ein, damit Ihre Nachricht nicht
ungeöffnet gelöscht wird. Zudem muss aus der Adresse das Wort
„falsch“ entfernt werden. Dieser Zusatz schützt uns vor
unerwünschter Werbung).
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